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'Törnbericht' Maas im März

Autor: Wilk Morski



'Törnbericht' Maas im März

Autor: Matthias Mueller

Hallo Stammtisch,

Der ein oder andere wird sich vielleicht noch an meine Frage zu Tips auf
der Maas vom März erinnern.
Um das momentane Flautenloch (sind eigentlich alle Segeln?) etwas zu
stopfen, hier endlich der zugehörige Törnbericht:

Törnbericht der Überführung der Seagull vom Leukermeer zum Spaanjerdplas

Prolog
Eigentlich war dieser Törn erst für die Woche nach Ostern geplant. Aber
... Der (Winter-)Liegeplatz im Leukermeer ging noch bis 31. März. Anfang
des Jahres habe ich angefragt, ob es möglich sei, ein paar Wochen länger
zu bleiben. Als Antwort bekam ich ein Ja ja, kein Problem. Gut dachte
ich, brauchste dich nicht zu beeilen. Mitte März habe ich dann noch mal
nachgefragt, ob alle klar geht. Antwort: Nee, dass geht nicht, der
Hafen ist voll. Auch bei den reichlich vorhandenen Gastliegeplätzen war
für so ein kleines Boot kein Platz. Da mag sich jeder seinen Teil
denken. Für mich hieß das: Vorbereitungen beschleunigen. Als Problem
stellte sich der Motor heraus, der gerade gründlich überholt wurde, und
nur ganz knapp zum Termin fertig wurde, ohne dass wir ihn testen
konnten. Da er nicht mehr der jüngste war, schnell einen Ersatzmotor
besorgt (ist auf einem fließenden Gewässer ja eh günstiger). Nur der
hatte einen defekten Prop...

Montag 31.3.03: Anreise
Es geht los. Mein Bruder und ich treffen uns vormittags um erst mal
gemütlich einzukaufen. Der erste Tag dient nur der Anreise und der
Vorbereitung des Boots. Erst gegen Mittag geht es dann mit zwei Autos
los Richtung Ophoven am Spaanjerdplas, wo das Schiffchen - eine Balaton
18 - seinen neuen Liegeplatz bekommen soll. Dort in den lokalen
Schiffsausrüster um nach einem neuen Prop zu fragen. Und nach etwas
suchen hat er tatsächlich einen gefunden, der passen soll. Also Prop
eingepackt, ein Auto stehen gelassen und ab nach tLeuken zum Boot.
Spät nachmittags waren wir dann endlich da. Alles ausladen und
verstauen. Den (alten) Motor montieren und testen und siehe da, er läuft
ganz prima (hat nur etwas Startschwierigkeiten). Der neue Prop passt
natürlich nicht, ist viel zu groß, aber wir sollen ihn ja umtauschen
können. Da es hier Strom am Steg gibt, wird der Heizlüfter aktiviert,
der den kleinen Innenraum auch kuschelig warm macht - die Balaton hat
noch verhältnismäßig viel Innenraum, dafür halt eine kleinere
Plicht. Nach einem Abendessen aus der Tüte (schmeckt erstaunlich gut!),
gehts ab in den Schlafsack. Nachts wird es dann wirklich kalt (5,9
Grad, innen!). Morgens sieht der Tau irgendwie komisch aus: Er war zu
einer dünnen Eisschicht gefroren. Richtig kalt war trotzdem keinem.

Dienstag 1.4.03: Erster Fahrtag
Nach einem kurzen Frühstück und einem Abstecher zu den Sanitäranlagen
geht es gegen 9:30 Uhr los.Die Sonne ist etwas raus gekommen und die
Temperaturen sind somit noch recht angenehm. Das soll sich jedoch laut
Wetterbericht gegen Nachmittag ändern.
Erster Stopp ist der WV De Maas bei Venlo. Hier auch erstes Nachtanken,
aus Sicherheitsgründen. Der Hafen ist recht nett, und sehr indgeschützt,
was auch nötig war, denn der Wind hatte deutlich zugenommen und kam
natürlich genau von vorn. Benzin gabs hier natürlich nicht, aber da
kaum Segler im Hafen lagen, war das auch nicht zu erwarten. Weiter
gehts an Venlo vorbei (sieht vom Wasser her gar nicht so übel aus).
Dann die erste Schleuse: Sluis Belfeld. Nach Anmeldung konnten wir
gleich in die noch leere Schleuse einfahren, bekamen dann aber doch
recht schnell Besuch von einem Frachter, der hinter uns fest machte.
Apropos festmachen: Natürlich habe ich ganz naiv versucht an zwei
Pollern fest zu machen, wie ich es von Segelyachten gewöhnt bin.
Aufgrund des Abstands der Poller natürlich unmöglich! Typischer
Anfängerfehler ;-). Der Hub ist so ungefähr 3,5 Meter, also mussten wir
auch noch die Leine umhängen. Hat aber geklappt. Noch ehe das Tor ganz
auf war, hat uns der dicke Pot doch glatt noch in der Schleuse überholt.
Na ja.
Nächster Halt war der VW Poseidon bei Reuver, auch hier kein Benzin,
aber die Aussage in Asselt gäbe es bestimmt eine Tankstelle. Also
weiter. Im Passantenhaven von Kessel haben wir den zweiten Tankstop
eingelegt. Ein sehr schöner kleiner Haven fast direkt unterhalb der
Burg. Eigentlich wäre ich gerne dort über Nacht geblieben, denn der Wind
hatte nun doch sehr aufgefrischt. Aber entgegen der Karte ist dort das
Übernachten verboten! Also nur eine Fünfminutenterrine mit heißem Wasser
aus der Thermoskanne (schmeckt nicht so doll, ist aber gut für die
Moral) und weiter. Gegen spät Nachmittag hatte der Wind dermaßen
zugenommen, dass sich schon die ersten Schaumkronen auf den Wellen
bildeten. WetterOnline sagt dazu später: in Spitzen bis 8 Beaufort
(Roermond). So kam es mir manchmal auch vor. Gegen halb acht erreichten
wir endlich den WSV Ascola in Asselt. Leider macht der Hafen erst
am 6. April auf (und hat dann auch nur sehr wenige Passantenplätze).
Also kein Strom und keine Toiletten. Macht nix, mit dem Kocher heizen
klappt auch ganz gut. Durch den Regen der mittlerweile eingesetzt hatte,
waren die Temperaturen etwas gestiegen.
Das der Spritverbrauch wiedererwarten gering ausfiel ersparte uns die
Sucherei nach einer Tankstelle. Die Nacht war dann Camping auf dem
Wasser pur.

Mittwoch 2.4.03: Zweiter Fahrtag & Rückfahrt
Nach dem Frühstück und einer zwangsweise nur Katzenwäsche geht es gegen
9:45 Uhr wieder los. Der Wind hat auf SW gedreht und ab und an kommt
auch die Sonne mal raus, dazwischen aber immer wieder heftige Schauer,
teils mit Hagel. Durch den baumgesäumten und recht netten
Lateraalkanaal Linne-Bruggenum geht es zur zweiten Schleuse dieser
Fahrt, der Sluis Heel. Kurz fest gemacht und gleich reingeschickt.
Zusammen mit zwei Frachtern in der Schleuse ist immer ein Erlebnis:
einer direkt vor uns, einer schräg hinter uns. Diesmal waren wir
schlauer, und haben es gleich mit nur einem Poller probiert, also
eindampfen in die Vorspring. Das Beste an der Schleuse: die haben da
mitfahrende Poller. Die Poller sind in die Wand eingelassen und
fahren auf Stangen mit nach oben, also kein lästiges umhängen! Hatte ich
bis jetzt auch noch nicht gesehen, ist aber super praktisch (auch für
die Großen). Dann kommt der Moment des Rausfahrens, der Frachter vor uns
gibt Gas, und siehe da, auch dann kann man mit 5 PS so ein Boot noch in
der Leine halten. Nach den Erfahrungen der letzten Schleuse habe ich den
Frachter hinter uns lieber gleich durchgewunken (hat die Steuerfrau(!)
auch dankend angenommen) und wir sind erst hinter ihm raus.
Dann kam der spannendste Moment der Fahrt, die Autobahnbrücke bei
Roermond. Höhe 8,4 Meter, das könnte knapp werden. Zum Glück hatten wir
etwas Niedrigwasser und kamen so problemlos durch. Vor uns zunächst die
vielen bunten Fahnen vom Jachthaven Koeweide, weiter dann die endlos
scheinenden Schleifen der Maas. Da die Sonne etwas mehr herausgekommen
war, waren es dann doch noch ein paar schöne letzte Kilometer durch die
sehr grüne Landschaft der Maas bis zum Spaanjerdplas.
Fest so gegen 13:00 Uhr. Der alte Motor hat sehr gut durchgehalten! Nun
noch den Prop umtauschen (ging tatsächlich ohne Probleme), Boot
klarieren und auf den Heimweg machen.
Über tLeuken, um das andere Auto zu holen, gings dann ab nach Hause,
Ankunft so gegen 20:00 Uhr.

Alles in allem ein etwas abenteuerlicher, aber sehr schöner kleiner Törn
durch eine wirklich sehenswerte Landschaft.