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Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: "Toralf Hauspurg"

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Nach der praktischen SKS Prüfung im Sommer diesen Jahres und etwas Übung auf
einer 24 Fuß Yacht in Polen(Masuren) sollte das der erste richtige Törn in
Kroatien für meine Freundin und mich werden. Wir charterten eine 32 Fuß
Bavaria und nahmen ein Ehepaar aus Jena mit, wobei der Mann gemeinsam mit
uns die Ausbildung absolviert hatte. Also hatten wir 3 Führerscheininhaber
an Bord und die brauchten wir später auch alle, wie sich noch herausstellen
sollte. Wie üblich startete die geanze Charter Armada Sonntag früh von Pula
Veruda und aufgrund des ablandigen Windes alle mit Ziel Mali Losinj. Als
verantwortliche Skipper haben wir natürlich den Wetterbericht studiert und
der sagte 8-18kn Wind, stellenweise bis 22kn vorher. -Tolles Segelwetter
also. Was uns hätte warnen müssen, wäre aber die Windrichtung gewesen, denn
es war ablandiger Wind - also Bora! Der Vercharter kam noch mal freundlich
und gelassen am Steg zu uns und empfahl uns, nach Norden zu fahren und nicht
nach Süden, denn in südliche Richtung wäre sportliches segeln angesagt - was
für eine Untertreibung in diesem Moment! Wir fuhren also aus Pula Veruda
raus, setzten die Genua und freuten uns über den Anblick von springenden
Delphinen. Es ging auch gleich ganz gut zur Sache mit 3,5 kn Fahrt in
Richtung Kvarner Bucht. Doch schon nach wenigen Seemeilen frischte es auf
und wir nahmen die Genua zurück. Um uns herum die ganze Charter Armada mit
demselben Kurs. Noch ein paar Seemilen weiter nahm der Wind immer mehr zu,
wir holten die Genua endgültig ein und fuhren mit Maschine Richtung Mali
Losinj über die Kvarner Bucht. 3 sm hinter dem Leuchtturm Porer wurde es
dann jedoch richtig ungemütlich. Jetzt hatten wir schon 35 kn Wind, in Böen
45 und der Seegang war aus unserer Sicht verheerend. Die Bavaria fuhr
Achterbahn mit uns. Man wußte schon gar nicht mehr richtig, wo sie gerade
aus dem Wasser gerissen wurde, einmal am Bug und das andere Mal am Heck
zuerst. Wir hatten alle die Rettungswesten angelegt und uns eingepickt -
GottseiDank!
In dieser Situation unterlief meinem Begleiter ein verhängnisvoller Fehler.
Bei Windstärken zwischen 8 und 9 Bft kam er an backbord neben mir sitzend,
an die Klemme der Reffleine der Genua und die rauschte im dicksten Sturm im
Bruchteil von Sekunden raus. Jetzt legte sich unser Boot auf die Seite, es
krängte erbärmlich und ich nahm Kurs auf Italien um die Krängung rauszu
bekommen. Mit geblähtem Segel gings nun Richtung Italien jedoch nicht in
Rauschefahrt geradezu sondern ich hatte eher den Eindruck, dass wir entweder
gen Himmel fuhren oder abwärts in ein Höllental. Das Dumme daran war, dass
wir die Genua nicht mehr aufrollen konnten. Etwas war blockiert. In dieser
Situation wurde meine Freundin seekrank und fiel aus. Mein Begleiter turnte
notgedrungen aufs Vorschiff und bekam die Reffleine auch wieder klar. Dabei
murmelte er vorne am Bug angesichts der Monsterwellen, die scheinbar auf ihn
nieder stürzten schon das Vaterunser. Er schaffte es und kam zurück und wir
bändigten die Genua. Nun war es an mir, unsere Position festzustellen, dan
man mit Sichtnavigation nicht mehr viel ausrichten konnte. Ich ging also
runter, wo mein Laptop gekoppelt mit dem Hand GPS noch lief. Auf Kanal 16
lief eine Pan Pan Meldung von Radio Rijeka to all ships mit einer Mann über
Bord Meldung. Es dauert aber nur wenige Sekunden und ich sauste vom
Navigatorplatz mit voller Wucht nach backbord gegen die Pantry. In diesem
Moment ertönte ein langgezogener Piepton und ich glaubte, der Motor sei
ausgestiegen. Noch ein Blick auf den Laptop, um die Position festzustellen
und dann wurde auch mir schlecht.
Ich schaffte es noch, den Laptop zu schließen und zu vestauen, dann schoß
ich nach oben zur Reling. Der Motor wars nicht sondern nur der
Wechselrichter, an dem der Laptop hing. Nunmehr war unser Begleiter am Ruder
und ich gab ihm noch die Order zur Umkehr mit direktem Kurs unter die
Landabdeckung hinter dem Leuchtturm Porer. Dort wurde es vom Seegang her
ruhiger und ich übernahm wieder die Schiffsführung Richtung Heimathafen.
Dort angekommen, hatten wir alle die Schnauze voll vom Segeln. Neben uns
lief eine 43 Fuß Bavaria ein auf der es allen schlecht ging. Keiner lachte
mehr oder machte einen Scherz. Wir saßen noch eine ganze Weile apathisch und
deprimiert auf unseren Booten rum ehe wir wieder zur Tagesordnung
übergingen.

Dieser Tag hat Menschenleben gekostet, soviel weiß ich. Leider haben da
unten alle mit Informationen gemauert und ich werde mal im Internet
recherchieren, was los war. Definitiv hat es ein Schiff vom Nachbarsteg
erwischt, dass man in Italien geborgen hat. Beim Abbergen der Mannschaft
mittels Hubschrauber ist die Ehefrau ertrunken. Das betraf jedoch nicht die
Pan Pan Meldung, die ich selber gehört habe. Wie auch immer, danach wurde es
ruhiger und wir verbrachten anschließend noch einen wunderschönen Segeltörn,
aber auf dieses Erlebnis hätten wir alle verzichten können und ich möchte es
auch nie wieder erleben!





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Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: Wilk Morski



Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: Joachim Reinke

Hallo Toralf,

ich gehöre auch noch zu den eher "frischen" SKS-Scheininhabern und habe
vor ca. 3 Monat ein in gewissem Sinne ähnliches Erlebnis auf der Ostsee
gehabt. Ich wurde ca. 20 h "zu früh" (gem. Wetterbericht) von schwerem
Wetter überrascht und befand mich bei 36-44 kn Wind auf der
Mecklemburger Bucht. Auch das ergab ein alles in allem eher
ungemütliches Segeln. Bei uns ist eine Person seekrank geworden (die
allerdings auch schon beim Betrachten einer Postkarte mit Schiffsmotiv
seekrank wird), alle anderen blieben gottseidank davon verschont und
einsatzbereit. Passiert ist uns allen nichts. Zu echt brenzligen
Situationen (i.S.v. Gefahr für Gesundheit/Leben der Crew oder für das
Schiff) kam es auch nicht.

Da ich ja jetzt schon einen gewissen Abstand zu der Sache habe (3
Wochen), habe ich auch schon ein wenig darüber nachgedacht, was ich da
falsch gemacht habe. Ich habe zwar durchaus die Wettervorhersagen
beachtet, jedoch zu wenig Wert auf eine eigene Interpretation der
Wetterkarten (insb. Bodendruckkarten) gelegt. Das ist bislang die
Erkenntnis, die ich daraus gezogen habe. Da ich das Segeln wegen dieses
Vorfalls jedoch nicht an den Nagel hängen will, bleibt mir ja nur, draus
zu lernen und zu sehen, daß mir sowas nicht nochmal passiert. Ich habe
schon mit ein paar Bekannten gesprochen, die alle schon zig tausende an
Seemeilen hinter sich haben und die um ihre Einschätzung gebeten.

Ich bin so langsam dabei, es unter "Anfängerfehler, die man nicht
wiederholen sollte" zu verbuchen.

Nach dieser Einleitung möchte ich noch ein paar Kommentare zu Deinem
Posting abgeben. Entschuldigen möchte ich mich schonmal von vorneherein,
falls es an irgendeiner Stelle besserwisserisch klingen sollte, das ist
nicht beabsichtigt.

1.) Du schreibst, daß ihr "3 Scheininhaber an Bord hattet und die auch
brauchtet". M.E. ist der Schein nur so eine Art "Eintrittskarte" in die
Welt der Charterer oder Eigner. Wie beim Autoführerschein auch ist
Erfahrung in Seemeilen die Währung, in der man sich selbst messen
sollte. Erfahrung in Navigation, Seemannschaft und Wetter ist durch
nichts zu ersetzen außer durch mehr Erfahrung.

2.) Du schreibst, daß ihr die Genua dann endgültig eingeholt habt, als
es zu viel Wind wurde. Ich denke, dadurch wurde das Boot extrem unruhig.
Ich weiß jetzt nicht, welchen Kurs ihr zum Wind gelaufen seid und wie
die Welle zum Kurs und zum Wind stand, ob es Kreuzsee gab oder (noch)
nicht, aber eine Yacht läuft unter ein wenig Genua deutlich ruhiger als
ganz ohne Segel. Da reichen notfalls auch schon 2 qm. Und mit Genua kann
man alle Kurse zum Wind fahren. Außerdem hattet ihr bestimmt nicht nur
eine Rollgenua, sondern auch ein Rollgroß. Ich bin selbst schon in
Kroatien gesegelt und habe da (mit Bedauern) festgestellt, daß fast alle
Charterschiffe dort Rollgroßsegel haben (insb. Schiffe einer bestimmten
Werft in Gieblstadt). D.h. ihr hattet die Möglichkeit, eine Art Trysegel
zu setzen (auch da reichen schon 1-2 qm), daß das Schaukeln auch ein
wenig verringert hätte. Ganz ohne Segel zu fahren und nur unter Motor
halte ich für ein wenig gefährlich. Gerade bei hohen Krängungen und viel
Welle ist die Gefahr, daß der Motor nicht (konstant) geschmiert wird,
weil die Ölpumpe aus der Ölwanne kein Öl zum Pumpen kriegt oder die
Kühklwasserpumpe kein Frischwasser und/oder daß die Schraube hinten
auftaucht und der Motor dann leer dreht. Ich denke, generell würde ich
es vorziehen, eine solche Situation unter Segeln abzuwettern als unter
Motor. Unter Segeln könnte man notfalls sogar beiliegen. Unter Motor
nicht. Den Motor würde ich da lieber schonen, um in notfalls noch in
einer Legerwallsituation (die lag hier nicht vor, wenn ich es recht
verstanden habe) als Unterstützung zu haben. Durch gesetzte Segel kommt
natürlich Krängung ins Boot, mir persönlich wäre aber 20° Krängung und
wenig Schaukeln lieber als (im Mittel) 0° Krängung, aber viel Geschaukel.

3.) Du schreibst "ablandiger Wind - also Bora". M.W. ist aber ablandiger
Wind nicht unbedingt gleich Bora. Bora ist nur der (dann natürlich
ablandige) Fallwind in der Nähe von Küsten und Inseln usw.

4.) Die Genua-Reffleinenklemme bei Bavaria ist mir gut bekannt. Dein
Bekannter ist nicht der erste, der die unbeabsichtigt ausgelöst hat. Die
Klemme taugt nicht viel. Warum sind Bavaria-Yachten wohl so preiswert?

Soviel mal von mir dazu.

Ich würde mich hier an dieser Stelle auf jeden Fall über einige
Anmerkungen von alten Hasen freuen!

Joachim



Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: "Oliver Beie"

Hallo,

als alten Hasen würde ich mich noch nicht bezeichnen wollen, schon allein
weil einen solche oder ähnliche Erfahrungen auch noch Jahren wieder auf den
Boden der Tatsachen zurückholen und den Respekt vor der See und dem Wetter
neu schüren. Solche Lernereignisse wird es immer wieder geben und die heißt
es dann auszuwerten!

Joachims Ausführungen kann ich mich nur anschliesen: Segler, die noch keine
große Erfahrungen haben, werden bei schlechtem Wetter immer schnell zu
Motorbootfahrern, dabei liegt ein Schiff unter Segeln immer stabiler als
ohne. Ihr könnt ja mal auf der Ostsee auf die Fischkutter achten, die
meisten haben zwischen Ihren Masten eine Art Trysegel (Sturmsegel) gesetzt,
nur um das Schiff stabiler zu halten.

Unter Motor fahren ist dann ggf. eine Alternative wenn man das
gegenankreuzen vermeiden kann und dadurch Zeit spart, also Seekranken die
Qual verkürzt oder vor noch schlechterem Wetter früher im Hafen ist. Dann
kann man z.B. auch noch ein dichtgeholtes ggf. auch gerefftes Groß stehen
lassen, das Schiff schaukelt dann nicht mehr so sehr. Das erkauft man sich
dann allerdings mit Gestampfe, weil man dann auf diesem Kurs zwangsläufig
gegen die See fährt.

Bei den Charter-Yachten ist natürlich oft das Problem, dass die Besegelung
nicht unbedingt für härtere Bedingungen geeignet ist, oft ist ja nur eine
Rollgenua da und kein kleineres Vorsegeln. Wenn Euer (@Toralf) Vercharterer
Euch schon zu einem anderen Kurs geraten hat, dann hat er vielleicht auch
das in seinen Rat mit einbezogen. Nicht alles, was ein gut ausgerüstetetes
Schiff hergibt, ist auch von einer Chartercrew auf einem Charterschiff
machbar.

Also: Dranbleiben, den Respekt behalten und Erfahrungen machen!

Gruß,

Oliver

"Joachim Reinke" schrieb im Newsbeitrag
news:cjqqt5$k8k$00$1@news.t-online.com...
>
> Hallo Toralf,
>
> ich gehöre auch noch zu den eher "frischen" SKS-Scheininhabern und habe
> vor ca. 3 Monat ein in gewissem Sinne ähnliches Erlebnis auf der Ostsee
> gehabt. Ich wurde ca. 20 h "zu früh" (gem. Wetterbericht) von schwerem
> Wetter überrascht und befand mich bei 36-44 kn Wind auf der
> Mecklemburger Bucht. Auch das ergab ein alles in allem eher
> ungemütliches Segeln. Bei uns ist eine Person seekrank geworden (die
> allerdings auch schon beim Betrachten einer Postkarte mit Schiffsmotiv
> seekrank wird), alle anderen blieben gottseidank davon verschont und
> einsatzbereit. Passiert ist uns allen nichts. Zu echt brenzligen
> Situationen (i.S.v. Gefahr für Gesundheit/Leben der Crew oder für das
> Schiff) kam es auch nicht.
>
> Da ich ja jetzt schon einen gewissen Abstand zu der Sache habe (3
> Wochen), habe ich auch schon ein wenig darüber nachgedacht, was ich da
> falsch gemacht habe. Ich habe zwar durchaus die Wettervorhersagen
> beachtet, jedoch zu wenig Wert auf eine eigene Interpretation der
> Wetterkarten (insb. Bodendruckkarten) gelegt. Das ist bislang die
> Erkenntnis, die ich daraus gezogen habe. Da ich das Segeln wegen dieses
> Vorfalls jedoch nicht an den Nagel hängen will, bleibt mir ja nur, draus
> zu lernen und zu sehen, daß mir sowas nicht nochmal passiert. Ich habe
> schon mit ein paar Bekannten gesprochen, die alle schon zig tausende an
> Seemeilen hinter sich haben und die um ihre Einschätzung gebeten.
>
> Ich bin so langsam dabei, es unter "Anfängerfehler, die man nicht
> wiederholen sollte" zu verbuchen.
>
> Nach dieser Einleitung möchte ich noch ein paar Kommentare zu Deinem
> Posting abgeben. Entschuldigen möchte ich mich schonmal von vorneherein,
> falls es an irgendeiner Stelle besserwisserisch klingen sollte, das ist
> nicht beabsichtigt.
>
> 1.) Du schreibst, daß ihr "3 Scheininhaber an Bord hattet und die auch
> brauchtet". M.E. ist der Schein nur so eine Art "Eintrittskarte" in die
> Welt der Charterer oder Eigner. Wie beim Autoführerschein auch ist
> Erfahrung in Seemeilen die Währung, in der man sich selbst messen
> sollte. Erfahrung in Navigation, Seemannschaft und Wetter ist durch
> nichts zu ersetzen außer durch mehr Erfahrung.
>
> 2.) Du schreibst, daß ihr die Genua dann endgültig eingeholt habt, als
> es zu viel Wind wurde. Ich denke, dadurch wurde das Boot extrem unruhig.
> Ich weiß jetzt nicht, welchen Kurs ihr zum Wind gelaufen seid und wie
> die Welle zum Kurs und zum Wind stand, ob es Kreuzsee gab oder (noch)
> nicht, aber eine Yacht läuft unter ein wenig Genua deutlich ruhiger als
> ganz ohne Segel. Da reichen notfalls auch schon 2 qm. Und mit Genua kann
> man alle Kurse zum Wind fahren. Außerdem hattet ihr bestimmt nicht nur
> eine Rollgenua, sondern auch ein Rollgroß. Ich bin selbst schon in
> Kroatien gesegelt und habe da (mit Bedauern) festgestellt, daß fast alle
> Charterschiffe dort Rollgroßsegel haben (insb. Schiffe einer bestimmten
> Werft in Gieblstadt). D.h. ihr hattet die Möglichkeit, eine Art Trysegel
> zu setzen (auch da reichen schon 1-2 qm), daß das Schaukeln auch ein
> wenig verringert hätte. Ganz ohne Segel zu fahren und nur unter Motor
> halte ich für ein wenig gefährlich. Gerade bei hohen Krängungen und viel
> Welle ist die Gefahr, daß der Motor nicht (konstant) geschmiert wird,
> weil die Ölpumpe aus der Ölwanne kein Öl zum Pumpen kriegt oder die
> Kühklwasserpumpe kein Frischwasser und/oder daß die Schraube hinten
> auftaucht und der Motor dann leer dreht. Ich denke, generell würde ich
> es vorziehen, eine solche Situation unter Segeln abzuwettern als unter
> Motor. Unter Segeln könnte man notfalls sogar beiliegen. Unter Motor
> nicht. Den Motor würde ich da lieber schonen, um in notfalls noch in
> einer Legerwallsituation (die lag hier nicht vor, wenn ich es recht
> verstanden habe) als Unterstützung zu haben. Durch gesetzte Segel kommt
> natürlich Krängung ins Boot, mir persönlich wäre aber 20° Krängung und
> wenig Schaukeln lieber als (im Mittel) 0° Krängung, aber viel Geschaukel.
>
> 3.) Du schreibst "ablandiger Wind - also Bora". M.W. ist aber ablandiger
> Wind nicht unbedingt gleich Bora. Bora ist nur der (dann natürlich
> ablandige) Fallwind in der Nähe von Küsten und Inseln usw.
>
> 4.) Die Genua-Reffleinenklemme bei Bavaria ist mir gut bekannt. Dein
> Bekannter ist nicht der erste, der die unbeabsichtigt ausgelöst hat. Die
> Klemme taugt nicht viel. Warum sind Bavaria-Yachten wohl so preiswert?
>
> Soviel mal von mir dazu.
>
> Ich würde mich hier an dieser Stelle auf jeden Fall über einige
> Anmerkungen von alten Hasen freuen!
>
> Joachim



Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: wolko 04@arcor.de (Wolfgang Kommerell)

Peter =?ISO-8859-15?K



Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: Wolfgang Broeker

Peter Köhlmann schrub[tm]:
> > Auf Kanal 16 lief eine Pan Pan Meldung von Radio
> > Rijeka to all ships mit einer Mann über Bord Meldung.
>
> Bist du sicher dass das nicht unter "Mayday" lief?

Als Notmeldung mit "Mayday" wird das nur in unmittelbarem zeit-
lichem Zusammenhang mit einer MOB-Situation ausgegeben, wenn
sich weitere Fahrzeuge an der Suche aktiv beteiligen sollen.

Wenn diese Suche über eine gewisse Zeit hinweg erfolglos war,
kommt oft eine Dringlichkeitsmeldung ("Pan Pan") an die gesamte
Schifffahrt in dem Seegebiet mit der Aufforderung, verstärkt
Ausguck zu halten.

Gruß - Wolfgang
--
*** Lübeck liefert Heringe und Lüneburg das Salz, ***
*** den Durst, der so verursacht wird, ***
*** löscht Hamburgs Trank aus Malz. ***
*** Mon, 04 Oct 2004 10:15 +0200 ***



Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: Martin Bohm

Oliver Beie wrote:

> Unter Motor fahren ist dann ggf. eine Alternative wenn man das
> gegenankreuzen vermeiden kann und dadurch Zeit spart, also Seekranken die
> Qual verkürzt oder vor noch schlechterem Wetter früher im Hafen ist. (..)

Nach meiner Erfahrung geht das Gegenanstampfen unter Maschine nicht oder
nicht wesentlich schneller als Kreuzen. Es ist nur wesentlich
unkompfortabler.
Ich habe das mal im Vergleich mit einem anderen Boot erlebt, das unter
Segeln nahezu gleich schnell lief wie wir, aber auf dem letzten Stück
vor dem Hafen (ca. 5 nm genau gegenan) die Segel barg und unter Maschine
lief. Das Boot war starken Stampfbewegungen ausgesetzt und erreichte den
Hafen erst nach uns.

Martin



Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: Alexander Kroenke

> Nach meiner Erfahrung geht das Gegenanstampfen unter Maschine nicht oder
> nicht wesentlich schneller als Kreuzen. Es ist nur wesentlich
> unkompfortabler.
> Ich habe das mal im Vergleich mit einem anderen Boot erlebt, das unter
> Segeln nahezu gleich schnell lief wie wir, aber auf dem letzten Stück
> vor dem Hafen (ca. 5 nm genau gegenan) die Segel barg und unter Maschine
> lief. Das Boot war starken Stampfbewegungen ausgesetzt und erreichte den
> Hafen erst nach uns.

Direktes Gegenanstampfen unter Maschine ist in der Tat mit das
Unkomfortabelste was es gibt. Bei böigem Wind und unruhigem Wasser kommt
man aber auch unter Segeln manchmal nicht weiter. In solch einer
Situation habe ich die angenehmste Erfahrung mit der Kombination aus
stark gerefftem Großsegel und Maschinenunterstützung gemacht.
Das gereffte Groß stabilisiert das Schiff, mit Motoruntestützung kommt
man höher an den Wind als unter Segeln und wird in den Flautenphasen von
den Wellen nicht so stark gestoppt.

Alex



Respekt vor der Kvarner Bucht

Autor: Sepp Klimbacher

On Mon, 4 Oct 2004 00:32:38 +0100, "Toralf Hauspurg"
wrote:

>**** Post for FREE via your newsreader at post.usenet.com ****
>
>Nach der praktischen SKS Prüfung im Sommer diesen Jahres und etwas Übung auf
>einer 24 Fuß Yacht in Polen(Masuren) sollte das der erste richtige Törn in
>Kroatien für meine Freundin und mich werden. Wir charterten eine 32 Fuß
>Bavaria und nahmen ein Ehepaar aus Jena mit, wobei der Mann gemeinsam mit
>uns die Ausbildung absolviert hatte. Also hatten wir 3 Führerscheininhaber
>an Bord und die brauchten wir später auch alle, wie sich noch herausstellen
>sollte. Wie üblich startete die geanze Charter Armada Sonntag früh von Pula
>Veruda und aufgrund des ablandigen Windes alle mit Ziel Mali Losinj. Als
>verantwortliche Skipper haben wir natürlich den Wetterbericht studiert und
>der sagte 8-18kn Wind, stellenweise bis 22kn vorher. -Tolles Segelwetter
>also. Was uns hätte warnen müssen, wäre aber die Windrichtung gewesen, denn
>es war ablandiger Wind - also Bora! Der Vercharter kam noch mal freundlich
>und gelassen am Steg zu uns und empfahl uns, nach Norden zu fahren und nicht
>nach Süden, denn in südliche Richtung wäre sportliches segeln angesagt - was
>für eine Untertreibung in diesem Moment! Wir fuhren also aus Pula Veruda
>raus, setzten die Genua und freuten uns über den Anblick von springenden
>Delphinen. Es ging auch gleich ganz gut zur Sache mit 3,5 kn Fahrt in
>Richtung Kvarner Bucht. Doch schon nach wenigen Seemeilen frischte es auf
>und wir nahmen die Genua zurück. Um uns herum die ganze Charter Armada mit
>demselben Kurs. Noch ein paar Seemilen weiter nahm der Wind immer mehr zu,
>wir holten die Genua endgültig ein und fuhren mit Maschine Richtung Mali
>Losinj über die Kvarner Bucht. 3 sm hinter dem Leuchtturm Porer wurde es
>dann jedoch richtig ungemütlich. Jetzt hatten wir schon 35 kn Wind, in Böen
>45 und der Seegang war aus unserer Sicht verheerend. Die Bavaria fuhr
>Achterbahn mit uns. Man wußte schon gar nicht mehr richtig, wo sie gerade
>aus dem Wasser gerissen wurde, einmal am Bug und das andere Mal am Heck
>zuerst. Wir hatten alle die Rettungswesten angelegt und uns eingepickt -
>GottseiDank!
>In dieser Situation unterlief meinem Begleiter ein verhängnisvoller Fehler.
>Bei Windstärken zwischen 8 und 9 Bft kam er an backbord neben mir sitzend,
>an die Klemme der Reffleine der Genua und die rauschte im dicksten Sturm im
>Bruchteil von Sekunden raus. Jetzt legte sich unser Boot auf die Seite, es
>krängte erbärmlich und ich nahm Kurs auf Italien um die Krängung rauszu
>bekommen. Mit geblähtem Segel gings nun Richtung Italien jedoch nicht in
>Rauschefahrt geradezu sondern ich hatte eher den Eindruck, dass wir entweder
>gen Himmel fuhren oder abwärts in ein Höllental. Das Dumme daran war, dass
>wir die Genua nicht mehr aufrollen konnten. Etwas war blockiert. In dieser
>Situation wurde meine Freundin seekrank und fiel aus. Mein Begleiter turnte
>notgedrungen aufs Vorschiff und bekam die Reffleine auch wieder klar. Dabei
>murmelte er vorne am Bug angesichts der Monsterwellen, die scheinbar auf ihn
>nieder stürzten schon das Vaterunser. Er schaffte es und kam zurück und wir
>bändigten die Genua. Nun war es an mir, unsere Position festzustellen, dan
>man mit Sichtnavigation nicht mehr viel ausrichten konnte. Ich ging also
>runter, wo mein Laptop gekoppelt mit dem Hand GPS noch lief. Auf Kanal 16
>lief eine Pan Pan Meldung von Radio Rijeka to all ships mit einer Mann über
>Bord Meldung. Es dauert aber nur wenige Sekunden und ich sauste vom
>Navigatorplatz mit voller Wucht nach backbord gegen die Pantry. In diesem
>Moment ertönte ein langgezogener Piepton und ich glaubte, der Motor sei
>ausgestiegen. Noch ein Blick auf den Laptop, um die Position festzustellen
>und dann wurde auch mir schlecht.
>Ich schaffte es noch, den Laptop zu schließen und zu vestauen, dann schoß
>ich nach oben zur Reling. Der Motor wars nicht sondern nur der
>Wechselrichter, an dem der Laptop hing. Nunmehr war unser Begleiter am Ruder
>und ich gab ihm noch die Order zur Umkehr mit direktem Kurs unter die
>Landabdeckung hinter dem Leuchtturm Porer. Dort wurde es vom Seegang her
>ruhiger und ich übernahm wieder die Schiffsführung Richtung Heimathafen.
>Dort angekommen, hatten wir alle die Schnauze voll vom Segeln. Neben uns
>lief eine 43 Fuß Bavaria ein auf der es allen schlecht ging. Keiner lachte
>mehr oder machte einen Scherz. Wir saßen noch eine ganze Weile apathisch und
>deprimiert auf unseren Booten rum ehe wir wieder zur Tagesordnung
>übergingen.
>
>Dieser Tag hat Menschenleben gekostet, soviel weiß ich. Leider haben da
>unten alle mit Informationen gemauert und ich werde mal im Internet
>recherchieren, was los war. Definitiv hat es ein Schiff vom Nachbarsteg
>erwischt, dass man in Italien geborgen hat. Beim Abbergen der Mannschaft
>mittels Hubschrauber ist die Ehefrau ertrunken. Das betraf jedoch nicht die
>Pan Pan Meldung, die ich selber gehört habe. Wie auch immer, danach wurde es
>ruhiger und wir verbrachten anschließend noch einen wunderschönen Segeltörn,
>aber auf dieses Erlebnis hätten wir alle verzichten können und ich möchte es
>auch nie wieder erleben!
>
>
>
>
>
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Vielleicht sind solche Vorkommnisse geeignet die landläufige Meinung
die Adria sei nur eine Badewanne etwas zu revidieren. Aus dem "easy
sailing" wird rasch "sportliches Segeln" und dann eine Anfänger völlig
überfordernde Situation.
Ergänzend zu den bereits kommentierten Fehlern des OP wäre anzumerken:

Als Revierneuling sollte man sich unbedingt über die Windverhältnisse
informieren. Der kroatische Wetterbericht ist zwar meist recht gut,
nimmt aber doch zu wenig auf regionale Starkwindzonen Rücksicht. So
gibt es einige Bereiche an der kroatischen Adria, die als Boradüsen
gelten und bei entsprechender Wetterlage mit 32 Füßen besser nicht
befahren werden sollten. Dazu gehört u.a. der Kvarner. In
www.yachtrevue.at gibt es unter Wetter, Seewetter Adria eine ganz gute
Zusammenstellung. Als Bora gilt nicht nur ein Küstenfallwind, sie ist
ein stark böiger Gradientenwind aus N bis E an der Rückseite eines
Tiefs, oder vor einem zentraleuropäischen Hoch. Das Problem ist dann
weniger die Wellenhöhe als ihre sehr kurze Länge und damit ihre
Steilheit.
Die Entscheidung umzukehren war richtig, kam aber eigentlich zu spät.
Man soll sich nicht davon beeinflussen lassen, was die "Charterarmada"
tut. Das sind fast immer ebenfalls überforderte Badesegler. Wenn man
beim Porer angelangt ist, sieht man ja schließlich was vor einem
liegt!
Damit ist die grundlegende Problematik des derzeitigen Charterwesens
an der Adria auf dem Punkt:
Die Branche ist nach dem Krieg explosionsartig gewachsen und hat
beträchtliche Überkapazitäten. Die Werbung verspricht leichte Winde
Sonne, Badespaß und gastronomische highlights. So wird an jeden, der
nur irgendein Papierl vorweisen kann eine Yacht verchartert.
Unglücksfälle werden weitgehend vertuscht um dem Geschäft nicht zu
schaden.
Daß die Charterboote mit Rollsegeln ausgestattet sind sollte auf deren
Sicherheit keinen Einfluß haben. Die Funktionsfähigkeit des
Rollmechanismus und der Segel muß bei Bootübernahme genau gecheckt
werden! Wird dann rechtzeitig und richtig gerefft, kann ein Rollgroß
sogar Vorteile haben. Ein Lattengroß mit den 2 üblichen Reffreihen ist
über 7Bf schon zuviel Tuch. Und die Mär von der Kartoffelsackgenua
gilt für nicht zu sehr ausgelutschte Segel mit Schaumvorliek auch
nicht mehr.
Für Segler mit der Erfahrung des OP wäre zum Einstieg vielleicht ein
Flottillientörn besser. Aus egoistischen Gründen sind mir sind diese
Massenveranstaltungen zwar zuwider ;-). Wenn der Capo der Flotille am
frühen Nachmittag 2/3 der Plätze in einem Hafen reserviert ist die
Freude für den danach kommenden gering. Aber wer doch noch einen Platz
kriegt hat beim Anlegen der Flotille dann Hafenkino vom Feinsten.

Also macht es bitte in de publik: Die Adria kann recht böse sein und
ist nix für Anfänger.

Gruß
Sepp