Re: Watt, mit einer Conger?
Tobias Crefeld schrieb
> Peter Thoms meinte:
>
> > Offen ist bei mir noch die
> > Bewertung des Wetters. Das ist etwas
> > schwerer, eine Jolle hat eben nicht so viel Toleranz.
>
> "etwas schwerer"? Bist Du Brite?
> Von ausgeprägten Hochdrucklagen mal
> abgesehen, ist es m.E. nur noch binnen
> schwieriger, eine solide Vorhersage zu
> bekommen. Wenn dagegen so ein..zwei
> Tiefs ihre Bahnen ziehen, bekommen
> die Wettervorhersagen an der Nordsee
> eine ziemliche Bandbreite je nach Ort
> und Autor. Am ehesten würde ich dem
> Mittelwert der Isobaren- und Windvorhersagen
> aus 3..4 verschiedenen
> Internetquellen vertrauen. Brauchst halt
> ein wasserfestes Case mit
> Schlepptop + geeigneter Mobilverbindung. ;)
>
> Das man dort rein durch traditionelle
> Wetterbeobachtung eine Vorhersage
> für einen ausreichend langen Zeitraum
> erhält, kann ich mir jedenfalls
> nicht vorstellen.
Hmm,
ab morgen früh versuch ich es mal mit !drei-dimensionalen!
Wetter-Faxen.
Ich teste mal, wie gut ich damit klar werde ohne spinnert "mit dem
Wetter fühlen" (hüstel) zu müssen, denn Brite bin ich auch
nicht.
Credo:
Je mehr die 500hPa-Ebene zur Bodenanalyse versetzt ist, desto riskanter
wird meine Wattentour bei gleichzeitig *labiler* Temperaturschichtung.
Gruß
Peter
Re: Watt, mit einer Conger?
Re: Watt, mit einer Conger?
Tobias Crefeld schrieb
> Peter Thoms meinte:
>
> [von nem Törn durchs Wattenmeer]
> > ab morgen früh versuch ich es mal mit !drei-dimensionalen!
> > Wetter-Faxen.
> [..]
> > Credo:
> > Je mehr die 500hPa-Ebene zur Bodenanalyse
> > versetzt ist, desto riskanter
> > wird meine Wattentour bei gleichzeitig
> > *labiler* Temperaturschichtung.
>
> :-)
>
> Nur mal so nachgefragt: Watt kam denn
> bei der maritimen Wanderung heraus?
Hi,
Vorfreude!
Zur Ausrüstung:
Eine neue Auflage vom Jan Werner,
ein wenig Material zum Ausprobieren
einer Selbssteueranlage, eine Karte 44
mit Schutzhülle, ein Petroleumbrenner
für mein Trangia, der Austausch
schon betagter verklumpter Schlafsäcke
und eine Auffrischung meines Verbandskastens
mit Silberpflaster, Desinfektion und Klebstreifen.
Hmm, -- ein Sprühpflaster könnte ich noch einstecken.
Zum Wetter:
Mein Verständnis für die 500hPa-Ebene
tendiert gegen Null und wird deshalb
als wurscht eingestuft.
Nach wie vor bevorzuge die 120 Stunden
Fernschreib-Vorhersage des DWD für
die deutsche Bucht.
Sobald ein SW mit Winddrehungen im
Lauf des Tages ablesbar ist, schiebe
ich gedanklich Muffe, das ist halt so.
Zum Deckungsbeitrag:
In einer Woche verlasse ich meine
kapitalistischen Privilegien und
wechsel in den zeitig bestellten Urlaub.
An diesem Wochenende möchte ich gern zur Elbe. Für dieser Jahr
wäredas
erst die zweite Tour.
Mit hinhaltenden Grüßen
Peter
Re: Watt, mit einer Conger?
Tobias Crefeld schrieb
> Peter Thoms meinte:
>
> > ein wenig Material zum Ausprobieren
> > einer Selbssteueranlage
>
> Das wäre doch mal ne neue Herausforderung
> für den Aries-Spezialisten aus Duisburg. :)
Für ne Jolle? Bei mir muß die Fockschot langen.
Und wenn nicht, dann eben nicht.
Gruß
Peter
Re: Watt, mit einer Conger?
Tobias Crefeld schrieb
[...]
> Nur mal so nachgefragt: Watt kam denn
> bei der maritimen Wanderung heraus?
Am Wochenende, dem 25.06., lagen die Tidenzeiten
und der Sommerurlaub für meine Tour günstig:
HW Helgoland um 15:08, in Büsum 16:05
Nur das Wetter wollte am SA nicht wie gehofft mitspielen:
GERMAN BIGHT (54.7N 5.7E) SST: 14 C
TH 23. 00Z: SW 3-4 / 0.5 M //
TH 23. 12Z: S-SW 3 / 0.5 M //
FR 24. 00Z: E 0-2 / 0.5 M //
FR 24. 12Z: NE 4-5 / 0.5 M //
*SA 25. 00Z: N-NE 5-6 / 7 1.5 M //
*SA 25. 12Z: NW-N 5-6 / 6-7 1.5 M //
SU 26. 00Z: NW 5 / 1.5 M //
SU 26. 12Z: NW 4-5 / 1.5 M //
MO 27. 00Z: W-NW 4 / 1 M //
MO 27. 12Z: W 4 / 0.5 M //
So ließ ich die Gewitterfront besser ungenutzt
passieren und trailerte am Sonntag Nachmittag mit folgender Vorhersage
nach Büsum:
GERMAN BIGHT (54.7N 5.7E) SST: 15 C
SU 26. 00Z: N 5 / 6-7 2.5 M //
SU 26. 12Z: NW-N 3-4 / 1 M //
MO 27. 00Z: W 2-3 / 0.5 M //
MO 27. 12Z: W 4-5 / 1 M //
TU 28. 00Z: NW 3-4 / 1 M //
TU 28. 12Z: W-NW 3-4 / 1 M //
WE 29. 00Z: N-NE 2-3 / 1 M //
WE 29. 12Z: NE-E 4-5 / 0.5 M //
TH 30. 00Z: E 5-6 / 6-7 1 M //
TH 30. 12Z: E-SE 5 / 1 M //
nach Büsum.
In Büsum waren mir zwei Slips bekannt:
Einer im Yachthafen für die Jugendgruppe und
einer im Hafenbecken II der Werft Landsberg.
Den des Yachthafens erreicht man nur per Schlüssel,
aber der Hafenmeister war nicht zugegen. Um nicht fremde
Leute unnötig zu nerven, beschloss ich zum Slip der Werft
auszuweichen. Für 5 Euro ließ mich Herr Landsberg cool
gewähren.
Die Unterkunft für die Nacht zum Montag suchte ich dann
im Yachthafen.
6 Euro pro Jolle fand ich ok, also günstig.
Dafür gabs jede Menge nette und hilfsbereite
Leute, Ratschäge, auch skeptische Blicke und
Anmerkungen wie Mobilfunk-Notruf 124124.
Die merkten wohl sehr gut, daß ich überfordert
und nervös war.
Der BSV-Büsum offenbarte sich sehr gastfreundlich
mit sauberen Sanitäranlagen. Da konnte ich
noch nach 22:00 warm Duschen und sauber in
den Schlafsack kriechen.
Mir wurde angeboten im Clubheim zu übernachten,
aber meine Tochter forderte definitiv eine Zeltnacht
am Deichfuß. Na gut, wenn es so zu sein musste.
Die Nacht war für mich kurz, 23:00 bis kurz vor 4:00:
Dieser Zeitraum entsprach der Betriebspause des nahen Silobetriebs am
Hafenbecken III. Meiner Tochter
war der Lärm im Rhytmus einer Strohpresse irrelevant.
Vergessen: Ohropax
Um 8:00 kam der Brötchenservice.
Für die Mannschaft buchte ich je einen süßen
Mini-Hefezopf und ein Brötchen.
Vergessen: Kaffee
Die Daten an diesem Montag:
Wind West 3 im Hafenbecken, Himmel 3/4 bedeckt
HW Helgoland 16:47, nach meiner Planung wollte
ich spätestens um 12:47 am Bielhöver Loch sein.
Um dann in voller Fahrt auf Brunsbüttel zuzuhalten.
Das Niedrigwasser am Tertius, damit an der Einfahrt
zum Bielenhöver Loch, liegt mit dem in Büsum
zeitgleich auf 11:19.
Dann die Abfahrt am kurz vor 10:00.
Vom Hafenmeister erhielt ich noch die besorgte Wind-Info
West bis 5 und -- Hoogen.
So tat ich es dann auch.
Nach einer kurzen Schnupperkurve vor der Büsumer
Hafenausfahrt, das Wasser hatte so viel Gischt
wie der Himmel Wolken. Und dann das Sprühwasser
vom Bug, so früh am Tag, bah!
So drehte ich ab in Richtung Hoogen und entrollte nur
die Fock.
Ab 11:50 lagen wir im Muschelloch fest. Erst
um 15:00 kratzten wir mit Motorhilfe übers
Wattenhoch Hoogen, 2m über NN.
Der Westwind pfiff zeitweise durch die Wanten: 5Bft.
Ich war angepiekt:
Ein verdrecktes Schiff nach den Wattausflügen,
drei vergebliche Anläufe übers Wattenhoch, dann
der Gegenwind, ein zunehmend harter Gegenstrom
in die Meldorfer Bucht, Sprühwasser vom
Jollenbug und nerviges Motorbrummen.
Dazu noch unangenehme Fragen meiner Tochter,
sie wollte zurück nach Büsum: Die bessere
Richtung, wie auch ich still ihre Meinung
teilte. Vorerst bekam sie in der "Kajüte"
einen gemütlichen Platz.
Der Altenfelder Priel zum Hundeloch sollte
geschnippeln werden. Prompt kratzten wir
übers Watt. Etwas nördlich der Bake vom
Schießgebiet probierte ich es dann erfolgreich.
Gegen 16:00 lag der Trischendann quer ab, das Wasser
wurde ruhiger und die Fock ausgerollt. Noch einmal
schrappte ich übers Watt "das hohe Ufer" als Strafe
für das vorzeitige Verlassen der Prickenreihe
Puttschipploch zum Friedrichskooger Damm.
Das geplante Etappenziel Brunsbüttel hatte ich mir
seit der Kursänderung zum Hogen abgeschminkt, nie aber
wirklich aufgegeben.
Jetzt stand es unabänderlich fest:
Das Schutzgebiet Hakensand hätte ich laut Planung
nicht später als ca. 1 Stunde vor HW Helgoland, an
diesem Tag also gegen 16:00 erreichen müssen.
So genoß ich als Etappenrest die über 2 km
lange Tuckerfahrt entlang am Schutzdamm nach
Friedrichskoog. Die steuerbords supergleichmäßige,
im glatten Hochwasser liegende Quellerwiese
fand ich komischerweise beachtungwert, idyllisch.
Um 19:00 traf mein "Trailerservice" ein und ab
20:00 gehörte mein Hadern auf dieser Tour
zur Geschichte.
Gruß
Peter