=?ISO-8859-15?Törnbericht Nordküste Sizilien/Liparisch =?ISO-8859-15?e Inseln
Hallo,
bin gestern Abend von einem 1-wöchigen Sizilien-Törn
zurückgekommen und
dachte, ich tippe mal einen kleinen Bericht.
1. Tag
Los gings am Sa, 10.09. in Villa Iega, einem Yachthafen im Süden von
Palermo. Wir waren zu ca. 30 Leuten und hatten 4 Bavarias zw. 44 und 47
ft Länge für den Flotillentörn. Gechartert war bei Kiriacoulis.
Ich war
Co-Skipper auf dem Schiff des "Flotillenskippers", des Organisators.
Am Sa selbst sind wir nicht mehr losgesegelt, da es galt, einer Menge
Segel-Neulingen den Gebrauch des Klos, Rettungswesten und sonstiges zu
erklären und vielevieleviele neugierige Fragen nach bestem Wissen und
Gewissen zu beantworten. Außerdem wollten ja auch noch Vorräte
gebunkert
werden.
2. Tag
Am So, 11.09. um ca. 12 Uhr Leinen los, erstes Tagesziel war Cefalu, ca.
35 sm E-lich. Bei sehr schwachen, umlaufenden, tendenziell E-lichen
Winden (ungewöhnlich in dem Revier, der Wind kommt meistens aus W dort)
beschlossen wir dann gegen 14 Uhr, nicht mit 1-2 kn ü.G. und 30°C auf
die Kreuz zu kriechen und sind nach Cefalu motort.
Trotz nicht vorhandener Welle waren einige Mitsegler schon sehr bleich
und haben sich sicherheitshalber schonmal eine Plastiktüte in die Tasche
gesteckt. Oha, dachte der Co-Skipper in dem Moment, was passiert denn
wohl bei Wind und Wellen?
Der Hafen von Cefalu liegt in Lee einer Huk, die vor W-lichen Winden und
Wellen Schutz gibt, eine Steinschüttung/Mole gibt Schutz gegen dasselbe
aus N. Würde allerdings Wind und Welle aus E stehen, wäre der Hafen
offen wie ein Scheunentor und sehr unruhig, da die Hafen"einfahrt"
nicht
existiert und in ca. 300 m Breite See mit meilenlangem Fetch ungehindert
in den Hafen rollen könnte.
Solche Hafenkonstruktionen sind uns noch einige Male aufgefallen und
haben uns zu wildem Spekulieren und Kopfschütteln veranlasst. Die
Geographie ist an Siziliens Nordküste und an den Liparischen Inseln
schon so, daß die Küsten ins Wasser sehr steil abfallen und man
wenige
Meter vom Land entfernt durchaus zig Meter Wassertiefe haben kann. Was
Hafenanlagen dann natürlich sehr kostspielig macht, da man sehr viel
aufschütten muß oder den Hafen ins Land sprengen muß. Aber
auch in
flacheren Buchten, in denen man unter 10 m Wassertiefe hat, werden Häfen
nicht anders angelegt. Teilweise wird auf Molen und Mauern ganz
verzichtet und nur schwankende Schwimmstege und Moorings gelegt. Wir
hatten gedacht, der Grund sei das schnelle Geld mit Charterbombern wie
unseren, aber die einheimischen Fischerboote liegen auch daran. Wäre
interessant zu sehen, was die wohl machen, wenn Sturm aus der Richtung
kommt, in die der "Hafen" offen ist. Verholen? Daumen drücken
und hoffen?
Naja, der Hafenmeister und Tankwart von Cefalu war ein sehr lieber Kerl,
der uns allen noch lange und freundlich im etwas überfüllten Hafen
geholfen hat, festzumachen.
3. Tag
Mo, 12.09. machten wir den Absprung von der Nordküste Siziliens auf die
N-lich davon gelegene Liparische Inselgruppe. Um genau zu sein in die
Stadt Lipari auf die (Haupt)Insel Lipari.
Wieder schwache E-liche Winde, wieder nur per Kreuz möglich, wieder
geschätzte 0,5 kn nach Luv mit unseren breithintrigen
gieblstädtischen
Schwimmgeräten. Also wieder Motor. Entfernung: ca. 45-50 sm.
Lipari ist schon eine nette kleine Stadt, leider etwas touristisch, aber
ansonsten schön gelegen, hübsch rausgeputzt und freundlich. Ein altes
Fort thront auf einem Felsen über Lipari und man hat von dortaus nachts
einen tollen Blick über die Stadt und die Bucht.
Der "Hafen" von Lipari kommt ganz ohne Mauern aus und wir hatten, am
Schwimmsteg liegend einen völlig freien Blick auf den Horizont in E. Den
gleichen Blick hatten von dort anrollende Wellen auf unseren Bug.
Gottseidank gab es in dieser Nacht davon nur recht wenige.
Ein paar bleiche Mitsegler haben diesen Tag dann doch dazu genutzt,
reverse Peristaltik auszuprobieren und kamen zu demselben Schluß wie
Millionen Artgenossen vor ihnen: ist nicht so lecker.
Von nun an hatten wir im Schnitt gefühlte 3 Mitsegler weniger an Bord,
weil ja Cinnarizin, wenn in hohen Dosen verabreicht, durchaus in der
Lage ist, den ein oder anderen Anwender in einen Koma-ähnlichen, in
jedem Fall jedoch stark teilnahmslosen und in der verbalen
Äußerungsrate
sehr eingeschränkten Zustand zu versetzen.
4. Tag
Di, 13.09. ging es in NE-licher Richtung ca. 30 sm zum Stromboli! Dem
einzigen europäischen, noch richtig aktiven Vulkan! Wieder 30°C,
diesmal
ein angenehmer warmer 2-4 Bft N-Wind, der Stromboli ließ sich prima
anliegen! Da keine unserer Karten einen Hafen o.ä. am Stromboli
verzeichnete und die genannten Ankerplätze auch als mit Vorsicht zu
genießen dargestellt wurden, hatten wir uns schon damit angefreundet,
den Stromboli einmal zu umrunden und dann wieder Richtung SW
zurückzusegeln, zur Insel Panarea.
Zunächst kamen wir mal am Capo Monaco am Südende vom Stromboli an und
waren sehr beeindruckt. Der Stromboli ist ein mächtiger, ca. 3000 m
hoher Berg, deren oberen 1000 m über Wasser sind. Er ist von allen
Seiten sehr steil und hat nur an der NW-Seite einen kleinen Sattel, der
knapp oberhalb des Meeresspiegels liegt und auf der eine kleine
Ortschaft ist.
Es gibt einen Fähranleger für sehr große Fähren, als auch
für die hier
in Massen herumfahrenden Tragflügelboot-Fähren. Die kleine Ortschaft
verfügt sogar über einen kleinen, ca. 300 m breiten schwarzen
Sandstrand. Und vor diesem Sandstrand haben geschäftstüchtige
Strombolisti oder wie man die Einwohner dort wohl political correct
nennen würde, eine ganze Menge Ankerbojen mit dicken Zementklötzen
auf
dem Grund versenkt. Wir mußten also nicht in Lee der Insel beiliegen, um
dann nach Anbruch der Dunkelheit (wenn die kleinen Eruptionen den Himmel
rot färben) einmal rundzufahren, wir konnten bequem an einer Boje
festmachen und abwarten.
Nachdem wir festgemacht hatten und relativ ruhig lagen, entschloß sich
eine Mitseglerin, daß Segeln für sie nichts sei und nach reiflicher
Diskussion ruderte der Skipper sie an Land. Immerhin hatten wir bislang
noch keinen echten Wind und keine hohen Wellen gehabt, wenn die
Mitseglerin also bereits unter den herrschenden, objektiv sehr ruhigen
Umständen sich unwohl fühlte, dann konnte man davon ausgehen,
daß sie
mehr Wind und Welle sicherlich nicht positiv umstimmen würden.
Kaum war unser Skipper von Bord, meldete sich ein deutscher, naseweiser
Mittfünfziger vom Schiff hinter uns (an der nächsten Boje). Er
hätte
unseren Festmach-Vorgang mitverfolgt und hätte gesehen, wie wenig
Erfahrung wir hätten und würde uns hiermit als Skipper seiner Oceanis
331 bitten, abzulegen und woanders festzumachen. Außerdem gefalle ihm
der Schwoj-Abstand zu seinem Schiff nicht. Und er wäre hier schon seit 3
Tagen und hätte somit mehr Rechte. Wir waren sehr verdattert und auch
ein wenig amüsiert und sagten ihm, der Bojenplatz sei uns vom
"Hafen"meister zugewiesen worden und da jetzt ja die Dunkelheit
bereits
angebrochen sei, könnten wir jetzt nicht einfach losmachen und uns eine
von den winzigen kleinen anderen Bojen suchen. Aber er könne den Wunsch
ja nochmal ggü. unserem Skipper äußern, der wäre nur
gerade an Land
gerudert und gleich wieder da. Oder er solle den Hafenmeister bitten,
uns umzuverlegen. Nein, meinte er, das wolle er auch nicht, denn er
hätte dem Hafenmeister seit nunmehr 2 Tagen verweigert, die
Liegegebühr
zu bezahlen, weil es ihm zu unruhig sei und da könne er ja auch mal
"die
Miete mindern, damit der andere was lernt", wie er meinte. Seinerseits
mehr Leine stecken, so daß er mehr Abstand zu uns bekäme, wollte er
auch
nicht. "Ich weiß, wie man an Bojen festmacht und muß das nicht
mit euch
diskutieren".
Sauer verzog er sich. Wir beobachteten ab da den Abstand zw. unserem
Heck und seinem Bug und der wurde leider tatsächlich geringer und
geringer. Rein sachlich hatte der Mann hinter uns Recht! Der Abstand war
nicht ok! Unsere Bavaria 47 zog gerade ein paar hundert kg Zement durch
die Gegend. Eigentlich kein Wunder bei senkrecht verlaufender Bojenleine.
Gottseidank waren wir ja mit 4 Schiffen vor Ort und wir spannten einfach
eine Achterleine zu dem Schiff unserer Flotille, das neben uns lag und
belegten dort an dessen Vorschiffklampe. Somit hing unser Schiff quasi
quer und war je achtern und vorn an einer Boje fest. Bei dem geringen
Seegang ließ sich das aushalten und wir schwojten nicht mehr.
Bald darauf kam unser Skipper zurück und wir vier Schiffe segelten eine
nächtliche Runde um dem Stromboli und konnten ein paar spektakuläre,
den
Nachthimmel rot färbende Klein-Eruptionen sehen. Klasse!
Als wir danach zurück ins Bojenfeld kamen, suchten wir eine andere Boje,
nicht die vor Käptn-Neunmalschlau, programmierten einen Ankeralarm,
hielten Wache und verbrachten eine schaukelige Nacht. Die Boje hielt.
5. Tag
Mi, 14.09., fing damit an, daß wir, in der Sonne im Cockpit
frühstückend, Käptn Neunmalschlau dabei beobachten konnten, wie
er sein
Dingi zu Wasser ließ, den Außenborder montierte, einstieg und auf
uns
zufuhr. Unterwegs ging sein Motor aus. Er kam, wild am Anlasser zerrend,
in ca. 10 m Entfernung an uns vorbeigetrieben. Wir fragten, ob wir ihm
helfen könnten, er verneinte. Und wurde bei dem ablandigen Wind schnell
weggetrieben. Als er ca. 100 m weit weg war und seinen Außenborder immer
noch nicht angekriegt hatte, fuhren zwei von uns mit unserem Dingi
hinterher. Käptn Neunmalschlau hatte seinen Benzinhahn nicht aufgedreht
und bestand auch darauf, daß man das bei seinem Außenborder nicht
bräuchte und er das noch nie gemacht hatte. Wundersamerweise
funktionierte der allerdings bei aufgedrehtem Hahn.
Sein Anliegen war folgendes: er könne den Motor seiner Yacht nicht
starten, wahrscheinlich sei die Batterie alle. Er hätte auch ein 3 m
Starthilfekabel, wir sollten mal kurz längsseits kommen und ihm
Starthilfe geben. Unser Skipper verwies auf den ca. 1/2 m Schwell, bei
dem man sicherlich nicht einfach längsseits gehen kann und auf die
Länge
3 m, die sicherlich nicht reichten. Auf unsere Frage, ob er denn sicher
sei, daß leere Batterien an dem Startverhalten schuld seien, antwortete
er "Was denn sonst?". Auf die Batterieanzeige hatte er aber noch
nicht
geschaut und Sprit, Spritzuleitung, Wasserfilter, Luftfilter u.ä. kannte
er vom Namen her schon nicht und überprüft hatte er die auch nicht.
Er
sei ja nur Charterer und er erwarte, daß das schon so alles stimme.
Unser Skipper fuhr mit ihm zusammen rüber und es stellte sich heraus,
daß er nach 3 Tagen Liegen ohne den Motor anzuhaben, bei nicht besonders
sparsamem Umgang mit Strom (er ließ das Ankerlicht auch tagsüber
brennen), sich sowohl Starter- als auch Verbraucherbatterie geleert hatte.
Er wußte nicht mehr aus und ein. Unser Skipper schlug ihm vor, eine
Batterie an Land zu rudern und dort zu laden, etwa beim Hafenmeister
oder so. Da er aber ja seit 2 Tagen nicht mehr bezahlt hatte, war ihm
das kein sehr angenehmer Vorschlag. Auch war er, weil er sich auf einem
gefährlichen, verbotenen Schleichweg am Abend zuvor eine Reise auf den
Kraterrand gegönnt hatte, bei der er entdeckt worden war, von den
zugelassenen Wander-Führern, nicht eben freundlich von der Insel
komplimentiert worden. Ich bin mir sicher, daß wir in der nächsten
Zeit
von einer verschwundenen Oceanis 331 lesen werden...
Wir segelten los, rundeten noch einmal den Stromboli, schauten uns
riesige Geröllwände an, von denen dauernd Gesteinslawinen rollten und
zischend und stinkend in den Fluten verschwanden und segelten dann
schnell mit 8 kn bei Halbwind (N) mit SW-lichem Kurs nach Vulcano.
Bei W-lichem Wind war die dortige, nur nach E offene "Hafen"bucht
eigentlich gut gewählt, allerdings knallten über Nacht zwei heftige
Gewitterfronten durch, die heftigen Schwell mit sich brachten und trotz
vieler Fender fast zu knackigen Kollisionen zwischen benachbarten
Schiffen geführt hätten.
6. Tag
Do, 15.09. brachte endlich Wind! Fast zu viel! N 5-6, wir konnten stark
gerefft das 50 sm W-lich gelegene Cefalu gerade eben so anliegen. Im
Laufe des Tages ging der Wind auf 4 zurück, abends auf 3-2. Um 21:30 Uhr
fest im wiedermal überfüllten Cefalu. Der erste Versuch, per
Buganker
vor einer Betonpier festzumachen, scheiterte. Aber wir konnten uns im
Fischereibecken noch ein kleines Plätzchen neben einer stark
schimpfenden franz. Crew im Päckchen sichern, die natürlich sofort
behauptete, daß sie am nächsten Morgen gaaaanz früh los wolle.
(De facto
sind sie natürlich nicht früher gefahren als wir...)
7. Tag
Fr, 16.09. brachte mal wieder fast gar keinen Wind (trotz
DWD-Wettervorhersage fürs Tyrrhenische Meer von 5-6, in Böen 7-8, was
uns lernt, daß man sich den DWD für das Mittelmeer wohl knicken
kann)
und bescherte uns noch ein paar angenehme Stunden in Badebuchten vor der
Rückkehr nach Villa Iega/Palermo.
Fazit:
Vercharterer: schlechte Note. Bei der Rückgabe der Yachten und der
Aufzählung der Mängel (Kakerlaken, gebrochene Festmacher, undichte
Fensterdichtungen, kaputte Ankerwinsch, ...) gingen bei der Belegschaft
der Charterbasis die roten Lampen an. Sachliche Kritik an Schiffen
scheint in Sizilien gleichbedeutend zu sein mit persönlicher Beleididung
und wir auch so geahndet. Bei der Kiriacoulis-Filiale in Palermo würde
ich nicht chartern.
Revier: Das Revier hat eine schroffe, wuchtige Schönheit. Die
Lieblichkeit etwa der Ostsee mit sanft ansteigenden Inseln, Wäldern und
Hängen, hat es nicht. Inseln sind wuchtige Felsbrocken, nicht häufig
unbewaldet und schroff. Kleine Städtchen an der Küste sind manchmal
sehr
hübsch, manchmal bestehen sie allerdings auch aus
70er-Jahre-Betonbauten. Das Revier ist für Einsteiger nicht besonders
geeignet, da die Infrastruktur an Marinas nicht so stark ist. Schläge
sind dadurch mitunter recht lang. Liegeplätze - auch in sog.
"Hägen" -
müssen ggf. mitten in der Nacht aufgegeben werden können, wenn der
Wind
dreht.
Wetter: Klasse. Nur im Schnitt zu wenig Wind.
Joachim
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On Sun, 18 Sep 2005 16:12:16 +0200, Joachim Reinke
wrote in de.rec.sport.segeln:
>Er wußte nicht mehr aus und ein. Unser Skipper schlug ihm vor, eine
>Batterie an Land zu rudern und dort zu laden, etwa beim Hafenmeister
>oder so.
Netter Bericht über ein merkwürdiges Revier. Wenn man dann noch
bedenkt, daß die Liparischen Inseln von den Geologen zu den ausbruchs-
und seebebenwahrscheinlichsten Vulkanregionen gezählt werden, sicher
nicht unspannend.
Spannung ist das Stichwort. Ihr hättet dem Oceaniden gegen Vorkasse
natürlich die Starterbatterie auch durch Parallelschalten an Euren
Starterakku (nach dem Starten der eigenen Maschine!) auf Eurem Schiff
soweit laden können, daß er seinen Jockel ankriegt. Aber ich kann
verstehen, daß Ihr das vielleicht nicht so wolltet...
Gruß,
U.
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Hallo Joachim,
mal wieder ein netter Bericht im Forum. Find ich klasse. Darf man
fragen, wer Organisator dieser Flotille war? Und was da ein Kojenplatz
gekostet hat?
mfg
Charly
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On 2005-09-18, Joachim Reinke wrote:
> 5. Tag
>
> Mi, 14.09., fing damit an, daß wir, in der Sonne im Cockpit
> frühstückend, Käptn Neunmalschlau dabei beobachten konnten,
wie er sein
> Dingi zu Wasser ließ, den Außenborder montierte, einstieg und
auf uns
> zufuhr. Unterwegs ging sein Motor aus. Er kam, wild am Anlasser zerrend,
> in ca. 10 m Entfernung an uns vorbeigetrieben. Wir fragten, ob wir ihm
> helfen könnten, er verneinte. Und wurde bei dem ablandigen Wind
schnell
> weggetrieben. Als er ca. 100 m weit weg war und seinen Außenborder
immer
> noch nicht angekriegt hatte, fuhren zwei von uns mit unserem Dingi
> hinterher. Käptn Neunmalschlau hatte seinen Benzinhahn nicht
aufgedreht
> und bestand auch darauf, daß man das bei seinem Außenborder
nicht
> bräuchte und er das noch nie gemacht hatte. Wundersamerweise
> funktionierte der allerdings bei aufgedrehtem Hahn.
Oh sch....e. Das Gefühl kenne ich.
Tritt besonders gern auf, wenn der Vorbenutzer den Hahn nicht zugedreht
hatte und man deswegen nie in die Anleitung eguckt hat, wo der etwas
versteckte Hahn erwähnt wurde. Irgendwann stösst dann irgendwas gegen
den Hahn, und man wundert sich.
Naja, jetzt bin ich schlauer.
-is
--
seal your e-mail: http://www.gnupg.org/
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Ignatios Souvatzis wrote:
> Tritt besonders gern auf, wenn der Vorbenutzer den Hahn nicht zugedreht...
...und dann gab es noch den Charter-Skipper, der mir erklärte, der
AB-Motor sei defekt. An den Benzinhahn hätte er selbstverständlich
gedacht, der sei offen ("O"-pen) und sicher nicht zu
("S"top)
Als Non-Konformist, der auch gerne 1x gegen den Strom schwimmt, habe
ich dann versucht den Motor mit geschlossenem Benzinhahn zu betreiben.
Mit Erfolg! Hat wohl eher "S"tart und "O"ff geheißen.
cu,
--
Peter Keresztes
=?ISO-8859-15?Törnbericht Nordküste Sizilien/Liparisch =?ISO-8859-15?e Inseln
Joachim Reinke meinte:
> Am So, 11.09. um ca. 12 Uhr Leinen los, erstes Tagesziel war Cefalu, ca.
> 35 sm E-lich. Bei sehr schwachen, umlaufenden, tendenziell E-lichen
> Winden (ungewöhnlich in dem Revier, der Wind kommt meistens aus W
dort)
> beschlossen wir dann gegen 14 Uhr, nicht mit 1-2 kn ü.G. und 30°C
auf
> die Kreuz zu kriechen und sind nach Cefalu motort.
Werde wohl nie verstehen, wenn ein Segelboot bei Flaute oder mit dem Wind
aus der falschen Richtung ohne Not ausläuft.
> Sauer verzog er sich. Wir beobachteten ab da den Abstand zw. unserem
> Heck und seinem Bug und der wurde leider tatsächlich geringer und
> geringer. Rein sachlich hatte der Mann hinter uns Recht! Der Abstand war
> nicht ok! Unsere Bavaria 47 zog gerade ein paar hundert kg Zement durch
> die Gegend. Eigentlich kein Wunder bei senkrecht verlaufender
> Bojenleine.
Wenn nicht tatsächlich Wind und starker Schwell im Hafen standen, hat sich
die Boje sicher kaum bewegt. Es gibt allerdings eine
Wahrnehmungstäuschung, das es einem bei ständiger Beobachtung so
vorkommt,
also ob ein Objekt tatsächlich näher käme. Dagegen hilft
traditionelle
Positionsbestimmung wie z.B. Kreuzpeilung.
Ansonsten, also bei mehr Wind und Schwell sind fremde Bojensteine
tatsächlich ein Risiko. Gerade die modernen Raumwunder bieten eine
große
Windangriffsfläche und man weiß halt nie, in welchem Zustand
Gewicht,
Mooring und Boje sind. Zumindest defekte Bojen kann man noch darüber
ausschließen, daß man die Boje anhebt und darunter die Mooring
fischt und
dort festmacht.
In Porto Pedro hatten wir mal ein relativ kleines Boot gesehen, daß
über
Nacht samt Bojenstein auf die Küste gesetzt wurde und dort am
nächsten Tag
schwer beschädigt hoch und trocken lag.
Das Problem ist halt, daß man in Buchten mit Moorings keinen Anker
werfen
sollte. Also am besten man sucht sich mit größeren Booten eine
Ankermöglichkeit.
> Mi, 14.09., fing damit an, daß wir, in der Sonne im Cockpit
> frühstückend, Käptn Neunmalschlau dabei beobachten konnten,
wie er sein
> Dingi zu Wasser ließ, den Außenborder montierte, einstieg und
auf uns
> zufuhr. Unterwegs ging sein Motor aus. Er kam, wild am Anlasser zerrend,
> in ca. 10 m Entfernung an uns vorbeigetrieben. Wir fragten, ob wir ihm
> helfen könnten, er verneinte. Und wurde bei dem ablandigen Wind
schnell
> weggetrieben. Als er ca. 100 m weit weg war und seinen Außenborder
immer
> noch nicht angekriegt hatte, fuhren zwei von uns mit unserem Dingi
> hinterher.
Hmm, ist es eigentlich unseemännisch oder sonstwie moralisch verwerflich,
wenn ich in solchen Fällen immer die Beine hochlege, zu Popcorn
(ersatzweise Bierflasche, Kaffeetasse, Frühstückssemmel) greife und
notfalls unter Zuhilfenahme des Fernglases das gebotene Hafenkino
genieße?
=:)
> uns lernt, daß man sich den DWD für das Mittelmeer wohl knicken
kann)
Stimmt!
--
Gruss,
Tobias.
=?ISO-8859-15?Törnbericht Nordküste Sizilien/Liparisch =?ISO-8859-15?e Inseln
Hallo Hans-Peter,
> mal wieder ein netter Bericht im Forum. Find ich klasse.
Vielen Dank!
> Darf man fragen, wer Organisator dieser Flotille war?
> Und was da ein Kojenplatz gekostet hat?
Ja klar!
Der Organisator heißt Jörg Schommer, der solche Flotillen schon seit
10
Jahren organisiert (außerdem organisiert er noch Pfingstsegeln in
Koudum, da bin ich auch immer gerne dabei und noch Skifahren im Winter,
da bin ich aber mangels Interesse und Kenntnissen noch nie dabeigewesen).
Die Kosten für diesen Törn beliefen sich auf etwas mehr als 300
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Hallo Tobias,
> Werde wohl nie verstehen, wenn ein Segelboot bei Flaute
> oder mit dem Wind aus der falschen Richtung ohne Not ausläuft.
Der Veranstalter hatte gewisse Eckpunkte des Törns versprochen, die er
einhalten wollte. Es waren nicht nur Leute dabei, für die das Segeln
absolute Priorität hatte, sondern auch solche, die ein bißchen in
der
Gegend rumkommen wollten da unten. Dieser Flotillentörn war ein
Kompromiss zwischen beiden Ansprüchen.
> Wenn nicht tatsächlich Wind und starker Schwell im Hafen standen,
> hat sich die Boje sicher kaum bewegt.
Das war kein Hafen. Das war einfach vor der Küste von Stromboli. In drei
Richtungen Wasser, soweit das Auge reicht. Klar war da Schwell und die
Nacht war auch nicht besonders ruhig ;-)
> Es gibt allerdings eine Wahrnehmungstäuschung, das es einem bei
> ständiger Beobachtung so vorkommt, als ob ein Objekt
tatsächlich
> näher käme.
Das kann ich in diesem Fall ausschließen. Zu Anfang war unser Heck ca.
8-10 m entfernt von seinem Bug, zum Schluß kollidierte es (bzw.
hätte
es, wenn wir nicht die Achterleine gespannt hätten). Bei gleicher
Schiffsausrichtung.
> Dagegen hilft traditionelle Positionsbestimmung wie z.B. Kreuzpeilung.
Auf einem Schiff bei viel Schwell auf 5 m genau? Na ich weiß ja nicht...
> Ansonsten, also bei mehr Wind und Schwell sind fremde Bojensteine
> tatsächlich ein Risiko. Gerade die modernen Raumwunder bieten eine
große
> Windangriffsfläche und man weiß halt nie, in welchem Zustand
Gewicht,
> Mooring und Boje sind.
Jepp. Genau das war hier wohl das Problem.
> Zumindest defekte Bojen kann man noch darüber
> ausschließen, daß man die Boje anhebt und darunter die Mooring
fischt und
> dort festmacht.
Das haben wir gemacht. Hat aber wohl nicht ganz geholfen ;-)
> Hmm, ist es eigentlich unseemännisch oder sonstwie moralisch
verwerflich,
> wenn ich in solchen Fällen immer die Beine hochlege, zu Popcorn
> (ersatzweise Bierflasche, Kaffeetasse, Frühstückssemmel) greife
und
> notfalls unter Zuhilfenahme des Fernglases das gebotene Hafenkino
genieße?
> =:)
Ich persönlich hab dem Käptn Neunmalschlau seine Situation von Herzen
gegönnt. Zumal er nicht mal Paddel dabei hatte, was ich ja auch immer
ganz toll finde. Ich hätte den auch gerne noch ein wenig weiter ablandig
treiben lassen. Aber moralisch gesehen hätten wir ihn ja kaum offenen
Auges in die Seenot enttreiben lassen können. Zumal wir keinen
Außenborder an unserem Dingi hatten und ihn daher irgendwann eh per
Muskelkraft hätten einschleppen müssen. Oder die Yacht loswerfen,
auch
Arbeit. Er hatte noch seine Frau an Bord, aber die hätte das alleine
bestimmt nicht geschafft, ihn zu bergen.
Gruß,
Joachim