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Lenzpumpen rotten weg!

Autor: Joachim Warner

Hallo,

ich brauche mal Rat von kundigen Leuten.

Situation ist:
Stahlschiff, bei dem in zwei Bilgensektionen neue Lenzpumpen als
Tauchpumpen sind, und zwar die eher preiswerte Sorte, bei der der untere
Pumpendeckel samt Schlauchanschluß mit vier vermutlich aus V2A
bestehenden Schrauben im Pumpengehäuse befestigt ist.

Die erste Serie von Pumpen lief nach einer Woche nicht mehr, da alle 4
Schrauben weggerottet waren. Ersatz geordert und anstandslos bekommen.

Neue Pumpen eingebaut, eine Woche später sind jetzt nicht nur die vier
Schrauben wieder weg, sondern auch die Welle zum Pumpenrad, und im
Pumpenradgehäuse sind massive Korrosions- bzw. Materialabtrageffekte zu
sehen.

Mal zwischnzeitlich eine Attwood-Tauchpumpe ausprobiert, die schafft
nicht mal 0,5 m Förderhöhe.

Wer weiß Rat, was da los ist und welche Lenzpumpe mit gewisser Leistung
(die alten hatten angeblich 5.100 l/h bei 1,5 m Förderhöhe)
empfehlenswert ist?

Danke!

Joachim



Lenzpumpen rotten weg!

Autor: Wilk Morski



Lenzpumpen rotten weg!

Autor: Martin Bohm

Das Attribut "billig" muss nicht unbedingt heißen, dass die Pumpe nur
eine Woche hält. Ich betreibe eine billigste Tauchpumpe seit ca. 5
Jahren in meiner Regenwasserzisterne, also Sommer wie Winter im Nassen.
Das Problem bei Dir ist aber die Belastung mit Seewasser. Das Zeug ist
halt sehr aggressiv auf einfache Stähle sowie auf Übergangsstellen
zwischen Stahl und Buntmetall.
Die Pumpen Deiner "ersten Serie" kannst Du nur versuchen im Rahmen der
Gewährleistung an den Händler zurückzugeben. Er könnte aber auch
entgegenhalten, Belastung mit Seewasser sei keine bestimmungsgemäße
Verwendung.
Hersteller, die auf ihre Pumpen "seewasserfest" draufschreiben, lassen
sich das auch bezahlen. Im Billig-bereich könntest Du mit Pumpen aus
Edelstahl akzeptabele Standzeiten erzielen. (V2A ist seewasserfest, dann
waren Deine Schrauben wohl aus was anderem.)

> Wer weiß Rat, was da los ist und welche Lenzpumpe mit gewisser Leistung
> (die alten hatten angeblich 5.100 l/h bei 1,5 m Förderhöhe)
> empfehlenswert ist?

Du musst selbst abschätzen, wieviel Wasser in der Bilch anfällt. Im
Normalfall sollte es reichen, wenn die Pumpe den Strahl eines
Wasserschlaues ( ca. 1000 l/h) abführen kann. Und im Haveriefall ist ein
Mann mit einer Pütz und viel Angst sowieso die beste Lenzeinrichtung.

Martin



Lenzpumpen rotten weg!

Autor: Ulrich G. Kliegis

On Wed, 03 Sep 2003 10:19:38 +0200, Joachim Warner
wrote in de.rec.sport.segeln:


>Neue Pumpen eingebaut, eine Woche später sind jetzt nicht nur die vier
>Schrauben wieder weg, sondern auch die Welle zum Pumpenrad, und im
>Pumpenradgehäuse sind massive Korrosions- bzw. Materialabtrageffekte zu
>sehen.

Um herauszubekommen, ob es am Seewasser liegt oder Elektrokorrosion
ist, stell eine Pumpe ohne Anschluesse eine Woche in einen Eimer
Seewasser. Zeigen sich die gleichen Schaeden, hast Du einen Fehlkauf
getan. Zeigt sich kein Schaden, schliess die Pumpe genauso wie an Bord
an (12V GS oder 230V WS?) und lass sie einen Tag laufen. Miss vorher
den Widerstand zwischen allen Anschluessen der Pumpe und den
betroffenen Metallteilen. Beurteile das Ergebnis.

>Wer weiß Rat, was da los ist und welche Lenzpumpe mit gewisser Leistung
>(die alten hatten angeblich 5.100 l/h bei 1,5 m Förderhöhe)
>empfehlenswert ist?

Ist es nicht eher angeraten, ueber das rechtzeitige Verlassen des
Schiffes nachzudenken? Erfahrung ist doch, wenn man einen
selbstgemachten Fehler wiedererkennt. Wenn Du eine Lenzpumpe mit
einigen tausend Litern / h Foerdervolumen brauchst, sprich mal mit nem
Werftbesitzer. Odr.

Gruss,
U.



Lenzpumpen rotten weg!

Autor: kommerell@gmx.de (Wolfgang Kommerell)

Martin Bohm wrote:

> V2A ist seewasserfest

Nee, leider nicht. Erst V4A (Chrom-Nickel-Molybdänstahl) ist wirklich
seewasser- (und säure-) fest. Dass V2A-Schrauben aber innerhalb von 4
Wochen "wegrotten" sollen, kann ich allerdings auch kaum glauben.

Wolfgang

--
La perfection est atteinte non quand il ne reste rien à ajouter,
mais quand il ne reste rien à enlever. (Antoine de Saint-Exupéry)



Lenzpumpen rotten weg!

Autor: Martin Bohm

> V2A ist nicht seewasserbeständig,

danke, wieder was dazugelernt.



Lenzpumpen rotten weg!

Autor: Ulrich G. Kliegis

On Wed, 3 Sep 2003 12:55:44 +0200, "René Haar \(Rainer Haar KG\)"
wrote in de.rec.sport.segeln:


>Ulrich G. Kliegis schrieb:

>> Ist es nicht eher angeraten, ueber das rechtzeitige Verlassen des
>> Schiffes nachzudenken?

>Naja, Joachim ist da ja sozusagen ein gebranntes Kind. ;-)

Ebendas meinte ich mit Erfahrung. Man muss bei diesem Schiff offenbar
nicht einmal an der Ankerkette zerren, um es inwendig zu waessern...

Loescht man gebrannte Kinder mit Seewasser?

Gruss,
U.



Lenzpumpen rotten weg!

Autor: Sepp Klimbacher

On Wed, 3 Sep 2003 12:10:09 +0200, hc.ahlmann@gmx.de (HC Ahlmann)
wrote:

>Martin Bohm wrote:
>
>> Im Billig-bereich könntest Du mit Pumpen aus Edelstahl akzeptabele
>> Standzeiten erzielen. (V2A ist seewasserfest, dann waren Deine
>> Schrauben wohl aus was anderem.)
>
>V2A ist nicht seewasserbeständig, es neigt wegen der Chloridionen zu
>interkristalinner Korrosion und versagt plötzlich ohne äußere Anzeichen
>(VL Baustoffkunde, TU Braunschweig, Prof. Rostasy).
>
>Munterbleiben
>HC

"V2A" = historische Trivialbezeichnung für Chrom-Nickelstähle ohne
Molybdängehalt.Typisches Beispiel W. Nr.: 1.4301, aus dem u. a.
Haushaltswaren, Fassadenelemente, Schrauben etc. hergestellt werden.
"V4A" enthält zusätzlich 2-4% Molybdän, z.B.: 1.4401. Interkristalline
Korrosion tritt bei beiden Legierungen nur nach falscher
Wärmebehandlung, meist im Wärmeeinflußbereich beim Schweißen auf. Der
Stahl wurde dabei "sensibilisiert". Abhilfe bringt ein Zusatz von
Titan oder Niob/Tantal. Solche Stähle heißen "schweißstabilisiert".
Eine andere Möglichkeit diese Korrosionsform zu vermeiden ist den
Kohlenstoffgehalt unter 0,03 % zu bringen.

Typische Korrosionsform für "Rostfreistähle" ist aber die
Lochfraßkorrosion in chloridhaltigen Medien. Dazu kommt die
transkristalline Spannungrißkorrosion an hochgespannten Bauteilen. Die
kann tatsächlich zu plötzlichen Brüchen ohne äußeres Merkmal führen.

Der Molybdänzusatz bewirkt eine höhere Beständigkeit der
korrosionsschützenden Passivschicht des Stahles und damit eine höhere
Chloridbeständigkeit. Diese Stähle sind also beständiger gegen
Seewasser. Unter ungünstigen Bedingungen, wie Belägen, Spalten,
Salzkrusten etc. sind sie aber auch nicht dauerbeständig.

Gruß Sepp



Lenzpumpen rotten weg!

Autor: Uwe Hercksen

Joachim Warner schrieb:
>
> Stahlschiff, bei dem in zwei Bilgensektionen neue Lenzpumpen als
> Tauchpumpen sind, und zwar die eher preiswerte Sorte, bei der der untere
> Pumpendeckel samt Schlauchanschluß mit vier vermutlich aus V2A
> bestehenden Schrauben im Pumpengehäuse befestigt ist.
>
> Die erste Serie von Pumpen lief nach einer Woche nicht mehr, da alle 4
> Schrauben weggerottet waren. Ersatz geordert und anstandslos bekommen.

Hallo,

Schrauben aus Metall rotten nicht. Das sieht eher nach einer Korrosion
durch Lokalelementbildung aus. Liegen die Schrauben direkt auf einem
Gehäuse aus einem anderen Metall auf?
Bei Salzwasserkontakt dürfen nur Metallteile aus der gleichen Legierung
elektrisch leitend miteinander verbunden sein, also direkt aufeinander
stossen. Besonders schlimm wirds noch durch Elektrolyse wenn da noch
unterschiedliche Spannungen aus der Bordelektrik anliegen.

Stell doch mal zwei solche Schrauben in ein Glas mit Salzwasser ohne das
sie sich berühren und lege außerhalb des Wassers einige Volt
Gleichspannung dran.

Bye