Einige Bemerkungen zu 2 Übersetzungen von Stevensons "Schatzinsel"
Einige Bemerkungen zu 2 Übersetzungen von Stevensons "Schatzinsel"
Einige Bemerkungen zu zwei Übersetzungen von Stevensons
"Schatzinsel"
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A. Robert Louis Stevenson, "Die Schatzinsel", Aus dem Englischen
übertragen von Dr. Wilhelm Borgers, mit zahlreichen Illustrationen
von Heiner Rothfuchs
Lizenzausgabe f. Bertelsmann, C.A.Kochs Verlag Nachf., Berlin/Darmstadt/Wien
B. Robert Louis Stevenson, "Die Schatzinsel", Aus dem Englischen von
Dr. Hans Küfner, Sonderausgabe 2004, © 1998 Arena Taschenbuch Verlag
gekürzte Ausgabe der Ausgabe von 1883
Einbandillustration: Bernhard Oberdieck
Innenillustrationen: Hans G. Schellenberger
Ersteres, wirklich ohne Erscheinungsjahr, begleitet mich seit meiner
Kindheit, war aber in irgendeinem Karton verschollen, aus dem es
neulich wieder auftauchte, letzteres hatten wir neulich für den
Nachwuchs gekauft. Ich habe mir dann die Gelegenheit nicht entgehen
lassen, beide zu lesen und Stichproben zu vergleichen.
1. Kürzungen:
Gekürzt wurde, soweit ich das bisher feststellen konnte, vieles,
was ich unter "Charakterstudien" zusammenfassen würde. Es fehlt
beispielsweise einiges, was Billy Bones genauer beschreibt, aber
auch einiges, was John Silvers Verhalten gegen Ende des Buches (nach
seiner und Jims Rettung vor seinen Mitverschwörern) beschreibt.
Teilweise fallen Kürzungen im späteren Verlauf des Buches durch
einen Bezug auf, der ins Leere läuft.
2. Genauigkeit der Übersetzung
Die ältere Ausgabe wirkt stellenweise leicht, teilweise künstlich,
antiquiert; die jüngere übermäßig modern. Ich bin kein
Freund von
letzterem; ein deutlich in der Vergangenheit spielendes Buch darf
ruhig etwas veraltet klingen.
Übrigens machen beide Übersetzungen aus den spanischen
Silbermünzen
im Wert von 8 Reales (im engl. Original "pieces of eight!")
Dublonen (Goldmünzen im Wert von 2 Escudos) bzw.
"Goldstücke" in
der neueren Übersetzung. Nicht tragisch, aber irritierend.
3. Illustrationen
Ich vermag im inneren des neueren Buches keine Illustrationen zu
entdecken, wenn man von einem stilisierten Steuerrad zu Beginn der
Kapitel absieht.
Dieses hat nichts mit dem Buch zu tun - besonders zu Beginn der
Kampfszene zwischen Israel Hands und Jim Hawkins wird ja überdeutlich,
dass es sich um ein Schiffe mit Pinnensteuerung handelt.
Überhaupt zeigen alle Abbildungen des Schiffes einen Rahsegler,
während der Text von einem Schoner spricht, was wieder spätestens
deutlich wird, als Jim Hawkins das eroberte Schiff verläßt, um
seine Kameraden aufzusuchen.
***
Insgesamt würde ich eher zur alten, ungekürzten Übersetzung
raten,
wenn man nicht das Original lesen mag. Mit den gestrichenen Wörtern
ist leider auch einiges von der Würze verloren gegangen. Zur
Illustration der Segelszenen sollte man sich allerdings besser ein
Sachbuch anschaffen.