Re: Ankern in Tidengewässern?
Re: Ankern in Tidengewässern?
M. Handschuher meinte:
> Christoph Schmitz wrote Am 16.01.2008 13:26:
>> Meine Meinung (nur aus theoretischer Ueberlegung): Wenn es
>> richtig stroemt, sollte auf jeden Fall immer der Bug in
>> Stroemungsrichtung weisen.
> Gute Argumentation! Würde bedeuten, daß man die Anker
entgegengesetzt
> ausbringt, aber beide am Bug fest macht. Die Ankerkette/-leine dann in
> beiden Richtungen nicht komplett unter Spannung, sodaß der jeweils
> unbelastete Part senkrecht nach unten geht und sich beim Schwoien nicht
> mit dem Kiel/Ruder verheddert:
>
> | / |\
> | \
> | \
> <-------------------------- \-------------------->
Das ist sicher besser als die vorne-hinten-Variante, hat allerdings die
kleinen Nachteile, dass mitunter die vollständige Last auf einem Anker
liegt und außerdem können die beiden Ketten / Trossen
vertörnen.
Letzteres passiert typischerweise immer, weil das Kentern des Stroms in
den genannten Gewässern und dort insbesondere in Buchten nicht
schlagartig, sondern in Form einer Drehung über 0,5..1 h hinweg erfolgt.
Dummerweise bleibt die Richtung meistens und somit verdrehen die beiden
Ketten solange bis sie auf Zug kommen und aufgrund ungünstigen
Neigewinkels ausreißen.
Etwas besser wird das, wenn man den Zweitanker mit 5..15 m Vorläufer in
ca. 10 m Entfernung zum Erstanker an dessen Kette festmacht. Das törnt
dann zwar auch, aber primär törnt die Hauptankerkette in sich und
daneben
wird der Neigewinkel beim Beginn des Vertörnens der beiden Vorläufer
von
vorn herein schon recht flach sein. Ganz perfekt ist es da natürlich, wenn
man beiden Ankern dieselbe Vorläuferkettenlänge spendiert und dann
beide
gemeinsam mit einem Drehschäkel an der Ankerkette oder -trosse festmacht.
Ansonsten hat es den Vorteil, dass zumindest die Vorläuferkette vom
jeweils unbelasteten Zweitanker "Gewicht macht".
Ein Nachteil bei dieser Art des Ankerns ist der größere Aufwand, was
besonders bei unsportlicher Crew zu einem Problem werden kann. Ansonsten
funktionierte das problemlos auf einem double-handed 10m-Boot.
Schwierig wird es, wenn man dasselbe mit Bootslängen ab 15 m probiert. Die
Anker sind dann meist schon so schwer, dass man sie manuell kaum noch
hieven kann. Ich hatte das im Sommer auf einer HR49 probiert, aber da
hatte man nur noch mit einer Fallwinsch Chancen, den Zweitanker gehievt zu
bekommen. Aber dafür lag man trotz Böen bis 35 kn im Hafen (!) wie
ein
Einser.
Eine Variante läßt sich ansonsten auch noch mit Landleine statt
Zweitanker
realisieren. Mit einem anständigen Beiboot geht das problemlos und wenn
man dann die Landleine ordentlich nachspannt, dann wird der Hauptanker
extrem flach in den Grund gezogen. Da bewegt sich dann nichts mehr.
In Schottland hast Du da lediglich das Problem, dass die beliebten
Festmachebäume aus dem Süden durch scharfkantige Felsen ersetzt
werden, wo
man dann doch wieder lieber mit Kette herum gehen möchte. Festmacheringe
wie in Schweden sind nicht üblich. Naja, perfekt ist nix. ;)
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Gruss,
Tobias.