Kein Postadoxin mehr - was nu
Eike Rathke meinte:
> Bei diesen Warnhinweisen ist es besonders als Skipper vielleicht besser
> nicht zu benutzen: http://www.netdoktor.de/medikamente/100006470.htm
> | Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch
das
> | Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit
zur aktiven
> | Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen
> | beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im
Zusammenwirken
> | mit Alkohol.
> Klingt eigentlich nach einnehmen und hinlegen..
Ja, insofern ist es vielleicht ein brauchbares Medikament, um die Crew
nach Besteigen des Rettungsfloß zu sedieren. Aber zur Decksarbeit ist man
nach der Einnahme sicher nicht mehr zu gebrauchen.
Die Menschen reagieren unterschiedlich, aber auffällig ist doch die mehr
oder minder stark verlangsamte Reaktion, die solche Patienten zeigen.
Damit sind sie in Situationen, in denen es auf schnelle Reaktion ankommt,
stärker gefährdet.
--
Gruss,
Tobias.
Kein Postadoxin mehr - was nu
Kein Postadoxin mehr - was nu
Marc Heusser meinte:
> Das scheint mir eine etwas dogmatische Haltung.
> Von grober Fahrlässigkeit zu sprechen dürfte schlicht falsch
sein.
> Etwas gegen die Seekrankheit zu tun ist im Gegenteil verantwortungsvoll.
Man kann sehr viel gegen Seekrankheit tun. Zum Beispiel kann man den
Einzelnen genügend Zeit zur Akklimatisation geben und Gelegenheitsyachties
nicht gleich vom Flugzeug weg die erste 50nm-Starkwindetappe absolvieren
lassen.
Die unbedingte Notwendigkeit der Medikamentenabhängigkeit zur Verhinderung
von Seekrankheit kann man sich auch einbilden.
--
Gruss,
Tobias.
Kein Postadoxin mehr - was nu
simulation24@googlemail.com schrieb:
> Kannst Du sagen, ob es Medikamente mit diesem Wirkstoff im Ausland zu
> bekommen ist.
>
>
Hallo, lt. Apothekentaxe ist es in Belgien und der Türkei noch zu
haben.
Grüße, Gundolf
Kein Postadoxin mehr - was nu
Reinhard Greulich wrote:
> Es ist halt rezeptpflichtig - das heißt, es ist genau so vorgesehen,
> dass niemand es ohne vorherige Beratung mit einem Arzt anwenden
> sollte. Ich halte es auch nicht für eine gute Idee, dies durch
Einkauf
> im Ausland oder andere Tricks zu umgehen, wenn man meint, Bedarf zu
> haben.
Wer vor hat, sich selbst absichtlich zu schädigen, wird das auch schaffen.
Trotz
Rezeptpflicht. Gegen eine versehentliche Selbstschädigung durch
Medikamente
genügen auch Warnhinweise auf der Packung, den Beipackzettel oder durch
den
Apotheker. Eine Rezeptpflicht braucht es dazu auch nicht.
Nach meiner Ansicht ist das Rezeptwesen eine Maßnahme durch eine Lobby
und
zugunsten dieser Lobby.
Ausnahmen:
- bei erheblicher Suchtgefahr
- bei erheblicher Gefahr der Verwendung zu schweren Straftaten. (z.B. Rohypnol)
Kein Postadoxin mehr - was nu
Ulrich G. Kliegis wrote:
> In Kenntnis
> der im Beipackzettel genannten Nebenwirkungen ist die Einnahme grob
> fahrlässig, wenn nicht vorsätzlich zu nennen, wenn es zu einem
Ausfall
> kommt.
Ach so, und ein Ausfall wegen Seekrankheit verbuchen wir dann als
"höhere Gewalt".
> Das sicherste Mittel gegen Seekrankheit ist, sich auf eine schwere
> Steinbank im Schatten einer holsteinischen Dorfkirche zu setzen und
> dort abzuwarten, bis das Schlimmste (die Zeit der Reise) vorüber ist.
Da muss ich Dir in der Tat rechtgeben. Und das sicherste Mittel gegen
unerwünschte Schwangerschaft ist Enthaltsamkeit.
Martin
Kein Postadoxin mehr - was nu
Tobias Crefeld wrote:
> Man kann sehr viel gegen Seekrankheit tun. Zum Beispiel kann man den
> Einzelnen genügend Zeit zur Akklimatisation geben und
Gelegenheitsyachties
> nicht gleich vom Flugzeug weg die erste 50nm-Starkwindetappe absolvieren
> lassen.
Du glingst wie jemand, der im Grunde den ganzen Sommer Zeit (und Geld) zum
Segeln hätte und sich in Ruhe den besten Tag für jeden Törn
aussuchen kann. Die
Mitsegler inklusive.
> Die unbedingte Notwendigkeit der Medikamentenabhängigkeit zur
Verhinderung
> von Seekrankheit kann man sich auch einbilden.
Also Seekrankheit ist nicht unbedingt eine Hypochondria. Bekanntlich
verläuft
sie in mehreren Phasen:
- Man fühlt sich schixxe und fragt sich warum man sich das alles
freiwillig, und
für teuer Geld angetan hat.
- Man bekommt Angst, das Schiff könnte untergehen und einen mit in den Tod
reißen.
- Man wünscht sich, das Schiff würde untergehen und dem Grauen ein
Ende setzen.
Ich denke, bis auf wenige Gesegnete ist eine natürliche Resestenz gegen
die
Folgen des unnatürlichen Geschaukeles nur mit viel Gewöhnung zu
erreichen. Mit
"viel" meine mehrere Törns über jeweils mehrere Tage pro
Jahr.
Wer soviel Zeit oder Geld nicht investieren kann oder will, dem bleiben nur:
- trotz unfreiwilliger Magenentleerung und grünlicher Hautfarbe stramme
Haltung
bewahren, oder
- die richtigen Mittelchen, oder
- die schwere Steinbank vor der Kirche.
Mehr Alternativen sehe ich nicht.
Kein Postadoxin mehr - was nu
Hall,
> pünktlich zu Beginn der neuen Segelsaison wollte ich meine
Vorräte an
> Postadoxin auffüllen.
Ich habe mit Cinnarizin gute Erfahrungen gemacht. Ich habe es selbst
noch nicht benötigt, habe aber als Skipper immer ein paar Tabletten
für
Mitsegler dabei, die ich im Bedarfsfall (auf der nächsten Etappe -
keineswegs prophylaktisch auf die Gefahr hin, daß Anfälligkeit
für
Seekrankheit besteht - da will ich dann doch erst den Beweis sehen) und
in kleinen Dosierungen ausgebe.
Die beobachtete Wirkung war immer sehr gut. Mitsegler, die die
Vortagesetappe bei 3 Bft und wenig Welle noch mit Neptunopfern
zugebracht hatten, überstanden die Folgeetappe auch bei unschöneren
Wellenbedingungen häufig unbeschadet.
Die "typische" Lethargie legten interessanterweise nur sehr wenige
der
Mitsegler nach der Einnahme an den Tag. Vielleicht ein oder zwei. Mag an
der Dosierung liegen. (Wobei diese Mitsegler ja erwiesenermaßen im Falle
der Seekrankheit ebenfalls lethargisch geworden wären.)
Cinnarizin gab es in Form dreier Generika bis Mitte 2005 auch in
Deutschland - rezeptpflichtig.
In Spanien gibt es das Zeug in jeder Apotheke für wenige Euros ohne
Rezept. Spanische Netzapotheken, die es nach Deutschland schicken, habe
ich nicht gefunden. Mag an meinem nicht vorhandenen Spanisch-Kenntnissen
liegen.
In UK gibt es das Zeug ebenfalls, auch rezeptfrei, ein wenig teurer. Und
dortige Netzapotheken schicken es auch nach Deutschland.
Gruß,
Joachim
--
Der Preis, den die Freiheit kostet, heißt Verantwortung.
Kein Postadoxin mehr - was nu
Joachim Reinke meinte:
> Die beobachtete Wirkung war immer sehr gut. Mitsegler, die die
> Vortagesetappe bei 3 Bft und wenig Welle noch mit Neptunopfern
> zugebracht hatten, überstanden die Folgeetappe auch bei
unschöneren
> Wellenbedingungen häufig unbeschadet.
Wobei sich die Frage stellt, ob das nicht bereits aufgrund der
automatischen Anpassung ("Seebeine") und somit auch ohne Medizin
erreicht
worden wäre.
Es soll ja auch Leute geben, die an einem Tag nach ner kurzen Tour übers
Ijsselmeer bereits flach lagen und tags drauf nach 24 h durch die Nordsee
noch immer nicht genug hatten. Solls geben... ;)
Letztlich kann man die meisten dieser Medikamente nun mal nur
prophylaktisch geben (Ausnahme: Zäpfchen, gibts aber kaum noch; Ausnahme
2: Pflaster, haben aber ne lange Vorlaufzeit). Wenn auf See der Magen
erstmal übersäuert ist, ist es zu spät.
--
Gruss,
Tobias.