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Re: Kein Postadoxin mehr - was nu

Autor: tc-jus@myway.de (Tobias Crefeld)

Martin Bohm meinte:
> Tobias Crefeld wrote:

>> Man kann sehr viel gegen Seekrankheit tun. Zum Beispiel kann man den
>> Einzelnen genügend Zeit zur Akklimatisation geben und
>> Gelegenheitsyachties nicht gleich vom Flugzeug weg die erste
>> 50nm-Starkwindetappe absolvieren lassen.
> Du glingst wie jemand, der im Grunde den ganzen Sommer Zeit (und Geld)
> zum Segeln hätte und sich in Ruhe den besten Tag für jeden Törn
> aussuchen kann. Die Mitsegler inklusive.

Ich glaube nicht, dass dies aus meiner Ausführung zu entnehmen ist. Es ist
somit frei erfunden.


>> Die unbedingte Notwendigkeit der Medikamentenabhängigkeit zur
>> Verhinderung von Seekrankheit kann man sich auch einbilden.

> Also Seekrankheit ist nicht unbedingt eine Hypochondria. Bekanntlich

Nein, und auch das habe ich nicht geschrieben. (s.o.)

> Ich denke, bis auf wenige Gesegnete ist eine natürliche Resestenz gegen
> die Folgen des unnatürlichen Geschaukeles nur mit viel Gewöhnung zu
> erreichen. Mit "viel" meine mehrere Törns über jeweils mehrere Tage pro
> Jahr. Wer soviel Zeit oder Geld nicht investieren kann oder will, dem
> bleiben nur: - trotz unfreiwilliger Magenentleerung und grünlicher
> Hautfarbe stramme Haltung bewahren, oder
> - die richtigen Mittelchen, oder
> - die schwere Steinbank vor der Kirche.

Das ist in dieser Pauschalität falsch und es gibt genügend Seefahrende,
die Dir das Gegenteil bestätigen können.

Es gibt meines Erachtens ganz grob klassifiziert drei Sorten von
Seglerinnen und Seglern:

1.) Ganz glückliche, denen noch nie schlecht geworden ist. Bedürfen
keiner näheren Betrachtung.

2.) Die große Mehrheit, die nach einer Akklimatisationsphase mit
zumindest Unwohlsein die meisten Seebedingungen ohne Beeinträchtigung
meistert. Hier spielen viele Faktoren mit, die einem die Anpassung
erleichtern oder erschweren können. Auch wenn die konkrete Strategie immer
individuell ist, gibt es doch eine ganze Reihe von Möglichkeiten, diese
Phase zu beeinflussen.

3.) Pechvögel, die auch nach wochenlangen Törns unter latenter
Seekrankheit leiden. Mir fällt da grad Astrid Erdmann ein. Für diese Leute
gibt es spezielle Trainingsangebote, bei denen ich nicht beurteilen kann,
dass diese wirklich helfen.


Beispiel: Letztes Jahr hat es bei mir salzwassermäßig gerade mal zu 3
Wochen Schottland und Orkneys gereicht. Trotzdem hing da niemand über der
Reling, auch wenn sich der eine oder die andere (mich eingeschlossen) erst
wieder an das Geschaukel gewöhnen mußte. Das spricht schon mal gegen Deine
oben zitierte These.

Allerdings: Wir waren auch schon alle einen Tag vor der Bootsübernahme vor
Ort, sind nicht gleich am ersten Tag zu nem 40nm-Trip in See gestochen und
die erste Etappe ging erstmal sehr gemächlich bei 2 Bft. am frühen
Nachmittag des dritten Tages los und durch den Sound of Mull, den nur
wenig von einem Binnenrevier unterscheidet. Dafür ging es dann auch die
(im Sommer kurze) Nacht durch.

Man kann natürlich auch mit dem Anspruch an Bord kommen, den Törnplan
minutiös abzuarbeiten und quasi im Kreuzfahrerstil pünktlich seine
Stationen abzufahren. Dann heißt es natürlich bei Wind aus der "falschen"
Richtung oder unter 3 Bft. gleich wieder "Hebel auf den Tisch" und schon
geht das Gebolze los. Allein wenn ich schon höre "wir müssen heute noch
XYZ schaffen", sagt dies schon viel über den Streß aus, unter den sich da
manche völlig unnötigerweise setzen. Mit Urlaub hat das nix zu tun, aber
offenbar können manche nicht mehr aus ihrer Haut raus und meinen, auch im
Urlaub Druck machen zu müssen.


--
Gruss,
Tobias.



Re: Kein Postadoxin mehr - was nu

Autor: Wilk Morski



Re: Kein Postadoxin mehr - was nu

Autor: Martin Bohm

Tobias Crefeld wrote:
> Ich glaube nicht, dass dies aus meiner Ausführung zu entnehmen ist. Es ist
> somit frei erfunden.
(..)
> Nein, und auch das habe ich nicht geschrieben. (s.o.)

Sorry, wenn ich in Deinen Ausführungen mehr gelesen habe. Ich wollte Dir nicht
unterschieben.


>>Ich denke, bis auf wenige Gesegnete ist eine natürliche Resestenz gegen
>>die Folgen des unnatürlichen Geschaukeles nur mit viel Gewöhnung zu
>>erreichen. Mit "viel" meine mehrere Törns über jeweils mehrere Tage pro
>>Jahr. Wer soviel Zeit oder Geld nicht investieren kann oder will, dem
>>bleiben nur: - trotz unfreiwilliger Magenentleerung und grünlicher
>>Hautfarbe stramme Haltung bewahren, oder
>>- die richtigen Mittelchen, oder
>>- die schwere Steinbank vor der Kirche.
>
>
> Das ist in dieser Pauschalität falsch und es gibt genügend Seefahrende,
> die Dir das Gegenteil bestätigen können.
Keine Frage. Jede Pauschalisierung findet irgendwo Grenzen und Gegenbeispiele.

> Es gibt meines Erachtens ganz grob klassifiziert drei Sorten von
> Seglerinnen und Seglern: (..)

Meine Zustimmung. Selbst würde ich mich in die zweite Kategorie Deine
Klassifizierung einordnen. Daher interessiet mich natürlich die Frage, was kann
man tun. Deinen Hinweis auf etwas flexibele Törnplanung, vor allem einen
gemächlichen Törnauftakt nehme ich zur Kenntnis.
Das Probelem: Bei einer Charterdauer von einer Woche mit einem Tag für die
Übergabe/Rückgabe bleiben 6 echte Tage fürs Segeln. Plant man einen Tag
Sicherheit wegen möglichen schlechten Wetters, bleiben 5 Tage für die Tour.
Plant man auch ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sollte dies nach zwei Tagen
erfolgen, so dass drei Tage für den Rückweg bleiben. Wird der erste Tag nur mit
"Schnuppersegeln" verbracht, beschränkt sich der Aktionsradius des Törns
praktisch auch eine Tagesdistanz.