Mal wieder: GOLF VON ADEN
Stefan Savelsberg schrieb am Sun, 06 Apr 2008 19:50:44 +0200:
> Mir stellt sich aber die Frage, was der "Anti-Terror"-Einsatz
nicht
> zuletzt der Bundesmarine da unten
Mal wieder: GOLF VON ADEN
Mal wieder: GOLF VON ADEN
Reinhard Greulich schrieb:
> Die waren halt nicht da unten, um französische Kreuzfahrer zu
> beschützen, die sich freiwillig da hin begeben.
Ach ja, richtig. Die sollen ja nur pöhse Terroristen[tm] fangen. Also
die, die unter Al Qaida-Flagge fahren. Nicht die mit der Totenkopfflagge.
Tschö,
Stefan
Mal wieder: GOLF VON ADEN
Claus C. Plaass meinte:
> "Stephan Badow" schrieb im
Newsbeitrag
> news:ft74qb$rfa$00$1@news.t-online.com...
>> Der französische Premierminister Francois Fillon verurteilte die
>> Kaperung.
> mehr kann ja offenbar weder frankreich noch europa tun
> gegen kriminelle und terroristische und sonstige banden.
[..]
> die welt und europa laesst sich von kriminellen banden vorfuehren,
> die 2dutzendfach loesegelder fuer jede schiffsgroesse erpressen,
> und nennt ihre selbstverliebte schutztruppe trotzdem "soldaten".
Es ist zwar gängige Terminologie in der Politik, aber trotzdem ist die
Aufgabe von Soldaten nicht "Schutz", sondern letztlich Tötung
anderer
Menschen auf Befehl (von etwas logistischen und technischen Support mal
abgesehen) und das erfordert im konkreten Fall zumindest erstmal, dass
ihnen rechtzeitig die richtige Koordinate genannt wird.
Der offizielle Auftrag der Deutschen Marine lautet dementsprechend auch
nicht auf Schutz gegen Piraterie, sondern auf Kontrolle von verdächtigem
Frachtverkehr im Rahmen von OEF.
Erst recht ist es nicht Aufgabe von Militärs, kriminelle Aktivitäten
zu
verfolgen oder dagegen präventiv zu werden. Dafür sind sie nicht
ausgebildet. Müssen sie auch nicht, weil es dafür Polizei und Justiz
gibt
- wenn es sie gibt, was man im Dunstkreis von Dschibuti bezweifeln darf.
Es ist jedenfalls grober Unfug, der auch hierzulande immer wieder speziell
von der konservativen Law-und-Order-Fraktion propagiert wird, dass
Soldaten die "härteren" Polizisten sind. Das ist ungefähr
so, wie wenn man
verdünnte Salzsäure als die verschärfte Alternative zu Pril
sieht. Da ist
dann auch "sauber"...
Was bleibt, ist Abschreckung und die funktioniert nur, wenn die Risiko-
Nutzen-Analyse der Kriminellen nicht vor einem Hintergrund stattfindet, in
der die Alternative zu Gewaltkriminalität irgendwo zwischen Hungertod und
Bettelei angesiedelt ist. Das zu verstehen, erfordert natürlich die
Einsicht, dass unsere abendländisch-demokratische Sichtweise im
internationalen Kontext eine etwas arg beschränkte ist.
> irgendwann wachen diese klimaanlagen-see-rambos auf,
> und sehen sich im netz der piraten am mast hochgezogen.
>
> ne kleine einheit blackwater jungs mit gummibooten
> waere mit sicherheit effizienter, billiger und abschreckender
> als die offenbar unfaehige einsatztruppe am horn von afrika
...meint zumindest der Mäuseschubser in D zwischen Kaffeetasse und BILD
nach der abschließenden Lagebeurteilung mittels Gummiente und
Plastikschifferl in der heimischen Badewanne.
--
Gruss,
Tobias.
Mal wieder: GOLF VON ADEN
Tobias Crefeld schrub[tm]:
> Der offizielle Auftrag der Deutschen Marine lautet dementsprechend auch
> nicht auf Schutz gegen Piraterie, sondern auf Kontrolle von
verdächtigem
> Frachtverkehr im Rahmen von OEF.
>
> Erst recht ist es nicht Aufgabe von Militärs, kriminelle
Aktivitäten zu
> verfolgen oder dagegen präventiv zu werden. Dafür sind sie nicht
> ausgebildet. Müssen sie auch nicht, weil es dafür Polizei und
Justiz gibt
> - wenn es sie gibt, was man im Dunstkreis von Dschibuti bezweifeln darf.
Diese und andere Auffassungen in Deinem Artikel sind ganz interessant,
obwohl ich Ihnen z.T nicht mal ansatzweise zustimme, aber zur Seeräu-
berei sind die Aussagen des Völkerrechts recht eindeutig. Auf hoher
See und in Gewässern ohne staatliche Hoheitsgewalt ist es primär An-
gelegenheit des Militärs, Piratenfahrzeuge aufzubringen. Dafür sind
die Kriegsmarinen auch ausgebildet, was ich bei der Wasserschutzpoli-
zei gegenüber schwerbewaffneten feindseligen Fahrzeugen bezweifele.
Abgesehen davon hat eine nationale Polizei auf hoher See nichts ver-
loren und verfügt daher auch nur über höchst begrenzte
diesbezügliche
Ressourcen.
| Auszug aus dem
| Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen [1]
| vom 10. Dezember 1982, BGBl. 1994 II S. 1798
|
| Artikel 105
| Aufbringen eines Seeräuberschiffs oder -luftfahrzeugs
|
| Jeder Staat kann auf Hoher See oder an jedem anderen Ort, der keiner
| staatlichen Hoheitsgewalt untersteht, ein Seeräuberschiff oder -luft-
| fahrzeug oder ein durch Seeräuberei erbeutetes und in der Gewalt von
| Seeräubern stehendes Schiff oder Luftfahrzeug aufbringen, die Personen
| an Bord des Schiffes oder Luftfahrzeugs festnehmen und die dort befind-
| lichen Vermögenswerte beschlagnahmen. Die Gerichte des Staates, der
| das Schiff oder Luftfahrzeug aufgebracht hat, können über die zu
verhän-
| genden Strafen entscheiden sowie die Maßnahmen festlegen, die hinsicht-
| lich des Schiffes, des Luftfahrzeugs oder der Vermögenswerte zu ergrei-
| fen sind, vorbehaltlich der Rechte gutgläubiger Dritter.
|
|
| Artikel 107 - Schiffe und Luftfahrzeuge, die zum Aufbringen wegen See-
| räuberei berechtigt sind
|
| Ein Aufbringen wegen Seeräuberei darf nur von Kriegsschiffen oder
| Militärluftfahrzeugen oder von anderen Schiffen oder Luftfahrzeugen
| vorgenommen werden, die deutlich als im Staatsdienst stehend gekenn-
| zeichnet und als solche erkennbar sind und die hierzu befugt sind.
Gruß - Wolfgang
[1] http://www.bsh.de/de/Meeresnutzung/Wirtschaft/Windparks/SrUe.pdf
--
*** Wat brüllt de Storm? De Minsch isn Worm! ***
*** Wat brüllt de See? n Dreck is he! ***
*** Spruch aus Nordfriesland ***
*** Tue, 08 Apr 2008 17:24 +0200 ***
Mal wieder: GOLF VON ADEN
> Mir stellt sich aber die Frage, was der "Anti-Terror"-Einsatz
nicht
> zuletzt der Bundesmarine da unten überhaupt für einen Sinn hat.
Die haben halt, bevor sie dahingefahren sind, Fortbildungen in
"Interkultureller Kompetenz" und "Deeskalationstechnik"
bekommen und
wissen jetzt - im Gegensatz zu Dir - daß kulturell verankerte Eigenarten
wie Piraterie und Geiselnahme keineswegs immer gleich ein Zeichen von
Aggression sind, sondern viel häufiger durch Anerkennung und Akzeptieren
dieser spezifischen ethnischen Besonderheit gelöst werden können.
--
Der Preis, den die Freiheit kostet, heißt Verantwortung.
Mal wieder: GOLF VON ADEN
Joachim Reinke schrub[tm]:
> Die haben halt, bevor sie dahingefahren sind, Fortbildungen in
> "Interkultureller Kompetenz" und
"Deeskalationstechnik" bekommen und
> wissen jetzt - im Gegensatz zu Dir - daß kulturell verankerte
Eigenarten
> wie Piraterie und Geiselnahme keineswegs immer gleich ein Zeichen von
> Aggression sind, sondern viel häufiger durch Anerkennung und
Akzeptieren
> dieser spezifischen ethnischen Besonderheit gelöst werden
können.
Oha, ein Piratenversteher!
Gruß - Wolfgang
--
*** Wat brüllt de Storm? De Minsch isn Worm! ***
*** Wat brüllt de See? n Dreck is he! ***
*** Spruch aus Nordfriesland ***
*** Tue, 08 Apr 2008 19:55 +0200 ***
Mal wieder: GOLF VON ADEN
Wolfgang Broeker wrote:
> Joachim Reinke schrub[tm]:
> > Die haben halt, bevor sie dahingefahren sind, Fortbildungen in
> > "Interkultureller Kompetenz" und
"Deeskalationstechnik" bekommen und
> > wissen jetzt - im Gegensatz zu Dir - daß kulturell verankerte
Eigenarten
> > wie Piraterie und Geiselnahme keineswegs immer gleich ein Zeichen von
> > Aggression sind, sondern viel häufiger durch Anerkennung und
Akzeptieren
> > dieser spezifischen ethnischen Besonderheit gelöst werden
können.
>
> Oha, ein Piratenversteher!
Oha, ein Mißversteher!
Man muß weder Piraten noch Piraterie mögen, aber sie zu verstehen
ist
davon unabhängig und für eine Konfliktlösung sicher nicht
verkehrt:
Einzelne Seeräuberfahrzeuge gewaltsam aufzubringen löst Probleme nur
von
Fall zu Fall; eine langfristige Lösung geht an die Ursache und die ist
nicht auf See zu finden.
--
Munterbleiben
HC
<http://hc-ahlmann.gmxhome.de/> Bordkassen, Kochen an
Bord, Törnberichte
Mal wieder: GOLF VON ADEN
HC Ahlmann schrieb:
> Wolfgang Broeker wrote:
>
>> Joachim Reinke schrub[tm]:
>>> Die haben halt, bevor sie dahingefahren sind, Fortbildungen in
>>> "Interkultureller Kompetenz" und
"Deeskalationstechnik" bekommen und
>>> wissen jetzt - im Gegensatz zu Dir - daß kulturell
verankerte Eigenarten
>>> wie Piraterie und Geiselnahme keineswegs immer gleich ein Zeichen
von
>>> Aggression sind, sondern viel häufiger durch Anerkennung und
Akzeptieren
>>> dieser spezifischen ethnischen Besonderheit gelöst werden
können.
>> Oha, ein Piratenversteher!
>
> Oha, ein Mißversteher!
> Man muß weder Piraten noch Piraterie mögen, aber sie zu
verstehen ist
> davon unabhängig und für eine Konfliktlösung sicher nicht
verkehrt:
> Einzelne Seeräuberfahrzeuge gewaltsam aufzubringen löst Probleme
nur von
> Fall zu Fall; eine langfristige Lösung geht an die Ursache und die
ist
> nicht auf See zu finden.
Oha, ein Problemlöser!
Befürwortest Du jetzt Massenausrottung der Bewohner der entsprechenden
Küstenstreifen zur Eindämmung der Piraterie?
Und jetzt komm doch bitte als Alternative nicht mit dem üblichen
Totschlagargument der Weltverbesserer, die "uns" Industrienationen
dazu
auffordern, die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern, da dies in
diesen Regionen nur mit Militärgewalt und über eine entsprechende
Kolonialpolitik funktioniert, die natürlich auch abgelehnt wird.
Manche Fehler der Vergangenheit lassen sich halt (leider) nicht
politisch lösen.
Gruß
Thomas