Mal wieder: GOLF VON ADEN
Mal wieder: GOLF VON ADEN
Wolfgang Broeker meinte:
> Tobias Crefeld schrub[tm]:
>> Wenn man unter "Verfolgung krimineller Aktivitäten"
primär versteht,
>> bei einem Piratenschiff mit der größeren Waffe
draufzuhalten in der
>> Hoffnung, dass es sich ergibt, mag auch die Kriegsmarine über
>> geeignetes Instrumentarium verfügen, aber in der Regel werden sie
>> Probleme mit der Identifikation der "feindlichen Einheiten"
haben,
>> solange diese ein Schiff noch nicht gekapert haben.
> Es geht bei der Verfolgung darum, das Risiko der Piraten, versenkt
> oder gefasst und um ihr Boot und ihre Waffen gebracht zu werden,
> so groß wie möglich zu machen.
Wie gesagt, das ist alles eine Frage der Risiko-Nutzen-Analyse, die bei
Leuten, denen das Wasser (wirtschaftlich) bis zu Hals steht, nicht mehr
wirklich stattfindet. Zumal ich Piraten nur eine begrenzte Intelligenz
unterstelle, weil sie sonst ihre kriminelle Energie als Investment-Banker
ausleben würden.
> Und ob bei den hier in Rede stehen-
> den Gewässern wirklich ein großes Verwechselungsproblem
zwischen
> Schnellbooten, die mit jungen Männern, ausgerüstet mit
Kalaschni-
> kows und Wurfhaken, überbesetzt sind, und etwa Fischern besteht,
> wage ich zu bezweifeln.
Schon, aber nachts sehen die auf einer Distanz über 2 nm ziemlich gleich
aus. Und man muss sie erstmal finden. Auf dem Radar kannst Du sie nur
anhand ihrer Geschwindigkeit auseinanderhalten. Und selbst da verschwinden
Boote dieser Größenordnung häufig genug im allgemeinen
Rauschen.
Man sollte sich vielleicht ab und an vergegenwärtigen, dass das zur
Diskussion stehende Seegebiet nur geringfügig kleiner als die Nordsee ist.
Mittlerweile hat man ja etwas mehr aus den Medien erfahren. Demzufolge ist
der Organisationsgrad offenbar soweit fortgeschritten, dass sie
größere
Schiffe als Operationsbasis benutzen.
>> Selbst die italienische Küstenwache hatte trotz optimaler Infra-
>> struktur immer große Probleme in dem relativ kleinen Seegebiet
>> um Brindisi, albanisch-italienische Schmuggler mit ihren kleinen,
>> hoch motorisierten Booten aufzubringen.
> Das ist eine Frage des betriebenen Aufwands, wie z.B. die Über-
> wachung der DDR-Küsten bewies.
Hat sie das? Das gegenüber dem Golf von Aden klitzekleine Seegebiet ist in
etwa vergleichbar, soweit richtig, aber die eigentliche Schwierigkeit
bestand ja eher darin, in der DDR überhaupt ein geeignetes Boot zur Flucht
aufzutun, ohne das dies dem lieben Nachbarn auffiel. Das dürfte in Somalia
oder Albanien kein Problem sein.
Der "Erfolg" einer Grenzabschottung läßt sich eh nur
schwer abschätzen.
Bei politischen Flüchtlingen erfährt man höchstens die Zahl
derer, die
durchkommen und bei Wirtschaftsflüchtlingen nur die Zahl derer, die
aufgegriffen werden. Wer still absäuft, wer illegal einreist, wer von den
DDR-Behörden aufgegriffen wurde, bleibt meist im Dunkeln oder wird
zumindest nicht statistisch erfasst.
>> Ab hier ist man primär auf kriminalistische Ermittlungen im
sozialen
>> Umfeld der Täter angewiesen und da helfen einem weder
Kapitänspatent
>> noch Flugabwehrgeschütz weiter, weil das doch meist an Land und
in der
>> Landessprache stattfindet.
> Damit hast Du im Grundsatz Recht, was man daran sieht, dass es z.B.
> in Nord- und Ostsee keine nenneswerte Piraterie mehr gibt, aber wir
> reden über Staaten wie Somalia, wo es keinerlei staatliche Infra-
> struktur mehr gibt, oder über Staaten, in denen die Behörden zu
> schwach, zu korrupt und zu unterfinanziert ist, um sich gegen
> lokale kriminelle Machthaber durchzusetzen.
Ja, leider wird dies von den Industrienationen kaum so gesehen und auch im
zunehmend politisch einflußreichen, arabisch-orientalischen Raum setzt
nur
langsam ein Umdenken ein. Es ist halt auch hierzulande noch immer
medienwirksamer, Djangos loszuschicken statt Aufbauhilfe in Sachen
staatlicher Infrastruktur zu leisten. Man muss ja nur die Presse
verfolgen, wenn einerseits Kampfjets und Fregatten in den Orient geschickt
werden und andererseits Kriminalpolizisten als Ausbilder nach Afrika
entsandt werden. Letzteres geht in der Regel unter im Blätterwald.
Recht treffend fand ich den Satz im Abspann eines vor kurzem im Kino
gelaufenen Films "Der Krieg des Charlie Wilson" über die
Aufrüstung der
Taliban durch die USA gegen die russische Besatzung und der nachfolgenden
Nicht-Unterstützung beim zivilen Aufbau: "...und dann vermasselten
wir das
Endspiel."
(Interview: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,532127,00.html )
--
Gruss,
Tobias.